Zwischen Orlamünde und Kahla

In Orlamünde hat sich vom Sitz des gleichnamigen Grafenge¬schlechts, eines der mächtigsten in Thüringen, nur der gewaltige Breitwohnturm erhalten. Er bildete den Kernbau der einstigen Burg¬anlage, die wohl schon als Teil des Sperrburgensystems an der Saale gegenüber den slawischen Siedlungsräumen entstand. Mit seinen bis zu 3 m dicken Mauern stellte dieser Wohnturm ein Bollwerk an der Hauptflanke der Burg dar. Über 9 m hoch liegt der Zugang. Ein fla¬ches Walmdach bedeckt heute den schmucklosen >Kasten<. Er dürf¬te in seiner Substanz aus dem frühen 11. Jh. stammen. Die Siedlung Orlamünde, 70 m über der Saale auf einem Bergsporn gelegen, wird 1071 erstmals genannt. Sie blieb immer im Schatten der Burg. 1519 hielt sich Thomas Müntzer einige Zeit bei dem Pfarrer des Ortes, An¬dreas Bodenstein, auf, der sich später als Verfechter der radikalen Reformation Karlstadt nannte. In Orlamünde soll es während der 20cr Jahre des 16. Jh. auch zu heftigen Auseinandersetzungen mit Martin Luther gekommen sein. Ein streitbarer Ort also – mit nur we¬nigen Hinterlassenschaften.
Die Saale-Talstraßc führt geradewegs nach Kahla, das mit der Leuchtenburg auf dem spitzen Berg schon bald zu sehen ist. Ein klei¬ner Umweg soll uns hingegen zu drei interessanten Orten führen, be¬vor wir die Porzellanmacherstadt besuchen. Von Orlamünde ost¬wärts gelangt man ins Holzland. Die volksübliche Bezeichnung be¬schreibt recht gut das Plateau der Saaleplatte, deren Höhen noch heute von ausgedehnten Wäldern bedeckt sind. Nachdem sich die slawischen Stämme zurückgezogen hatten, blieb dieser Raum dünn besiedelt – Burgen, Städte und Dörfer konzentrierten sich entlang den Flußläufen. Seit dem 15. Jh. eines der bevorzugten Jagdreviere der Wettiner, kam das Gebiet im 17. Jh. in den Besitz von Gotha-Al- tenburg. Zwischen 1826 und 1918 erstreckte sich der Westkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg von Eisenberg im Nordosten bis vor die Tore Rudolstadts. Inmitten dieser weiten Jagdgebiete östlich Or- lamündes ließen die Altenburger Herzoge an der Stelle eines alten Jagdhauses beim Ort Hummelshain 1880 ein großartiges Schloß er¬richten. Sie beauftragten damit den Berliner Schloßbauleiter Ernst von Ihne, Architekt des Marstall- und des Staatsbibliotheksgebäu¬des, und als dessen Partner Paul Stegmüller. Es entstand ein Neore-naissancebau, der in seinem Formenreichtum das klassische Maß weit übertraf. Ihn überragt ein burgartiger Turm, der von einer be¬schwingten Haube bekrönt wird. Auch das üppige Schloßinnere ist hervorragend erhalten geblieben. In der Dekoration greift die Anla¬ge den Manierismus auf, in der Verbindung von Architektur und Parklandschaft erinnert das Gesamtensemble an englische Landsit¬ze. Mit einer neuen Nutzung hat auch die Restaurierung begonnen.
Ein >echter< Renaissancebau dagegen ist das Schloß >Fröhliche Wiederkunft in Trockenborn-Wolfersdorf, etwa 7 km nordöstlich von Hummelshain und gleichfalls ein altenburgisches Jagdschloß. Nach dem verlorenen Kampf im Schmalkaldischen Krieg war Kur¬fürst Johann Friedrich I. der Großmütige, Gründer der Universität in Jena, in kaiserliche Gefangenschaft geraten. Von dort wies er seinen Baumeister Nikolaus Gromann an, ihm in seinem Lieblingsrevier ein Jagdschloß zu errichten. Der Name des Schlosses nimmt Bezug auf die Feier, die Johann Friedrich I., nun allerdings der Kurwürde ent¬hoben, hierzu seiner Rückkehr veranstaltete. Malerisch inmitten des Teiches zwischen sanften Waldhängen gelegen, ist die Wasserburg von den Altenburger Herzogen als Sommerresidenz wiederentdeckt worden. Der Zeit von 1858 entsprechend, ließen sie das Bauwerk nach englischen Vorbildern im Stil der Neogotik umgestalten.
Auf dem Weg zurück nach Kahla ins Saale-Tal gibt es auf der An¬höhe von Kleinleutersdorf nur ein kleines Hinweisschild auf Rie¬seneck, eine der größten und besterhaltenen barocken Jagdanlagen. Sie entstand im Revier des alten Jagdschlosses Hummelshain. Vom Parkplatz aus führt der Fußmarsch zunächst zu einer runden Wald¬lichtung. Pferdestall, Futterhaus, einfache Blockbauten, sowie das >Grüne Haus< für die Jagdgesellschaft befinden sich hier. 1727 errich¬tet, diente das letztgenannte wohl als Schlechtwetter-Unterkunft und Speisesaal für hohe Jagdherren. Lange Alleen verbinden den Platz mit der eigentlichen Jagdanlage, dem Gehege und dem Hetz¬garten. Von 1712 an ist dieses Gelände bis in die 30er Jahre des 18. Jh. baulich perfektioniert worden: An das sogenannte Blaschaus für die Hornisten und vielleicht auch die Jäger schließen sich nach bei¬den Seiten Mauern an, so daß eine hofartige Situation entsteht. Hier wurde das Wild von Hegern angefüttert, wodurch cs sich an diesen Ort gewöhnte und in Jagdzeiten besser zusammentreiben ließ. Gän¬ge, teils unterirdisch, sind in das Vorfeld der Mauern und des Blase¬hauses geführt worden, am Ende wiederum mit Schützenständen er¬weitert. Trieben nun die Hetzer auf diesem Wildacker zwischen den Gängen die Tiere zusammen, war es ein leichtes, aus den verborge¬nen Jagdständen heraus die Beute >umzublasen<. Erst seit 1830 gab man diese Art zu Jagen auf, wenn auch, wie der >Herzogstuhl< be¬zeugt, noch zu Beginn des 20. Jh. hier bisweilen Jagdfeste stattfan¬den. Die gut erhaltene Anlage wird als ein jagdkundliches Denkmal gepflegt.

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