Zwischen Orlamünde und Kahla 2

Die Porzellanherstellerstadt Kahla liegt eingebettet zwischen den Hängen des Leuchtenberges, Porzellanfabriken und Großplatten¬siedlungen aus den 70er/80er Jahren. Nähert man sich bergan der al¬ten Stadt, überrascht sie durch ihr noch nachvollziehbares histori¬sches Ambiente auf mittelalterlich engen Raum. Von der erhalten ge¬bliebenen Stadtbefestigung umschlossen, führen schmale Gassen rings um den alten innerstädtischen Häuserblock, zusammen mit dem Marktplatz das Kernstück Kahlas. Nur im Kern mittelalterlich sind das später umgebaute Rathaus und die Stadtkirche. Letztere be¬sitzt noch ihren spätgotischen Chor, erhielt aber im 17./18. Jh. ein neu gestaltetes Haupthaus. Die Krypta unter dem Chor mag einst als Durchgang zur Stadtburg gedient haben, von der allerdings nichts übrigblieb. Martin Luther hielt 1524 in der Kirche seine Predigt ge¬gen die aufständischen Bauern – doch entpuppt sich die Ausstattung des Raumes als später erneuert: Die Steinkanzel stammt von 1554 und die hölzerne aus dem Jahre 1615.
Die Leuchtenburg auf dem 395 m hohen Bergkegel hingegen kün¬det von der Bedeutung der Lobdeburger Herren, die hier wie in Lo- beda über dem östlichen Saale-Ufer ihren Sitz erbauten. Noch im¬mer beeindrucken die mittelalterlichen Wehranlagen, obgleich die Burg im Laufe der Zeit mehrfach aus- und umgebaut wurde. Die Weiterentwicklung der Waffentechnik ließ im 15. und 16. Jh. die vier mächtigen Wehrtürme an den strategischen Flanken erforderlich werden. Die Türme wie die zwischen ihnen angelegten Mauern wei¬sen Schießstände auf. Seit dem Ausbau zum Zuchthaus, 1727, erfuhr die Anlage wiederum Veränderungen. Um den mittelalterlichen Bergfried fügt sich das Herrenhaus aus dem 18. Jh. Als das Gefäng¬nis 1872 aufgegeben wurde, setzte die Erneuerung des Bauwerkes ein. Aus dem 19. Jh. stammt auch das Torhaus. Bereits seit 1919 wird die Burg als Jugendherberge genutzt. Was wir heute betreten können, ist nur noch die einstige Hauptburg, das gesamte Vorgelände wurde abgetragen. Das Museum am spätromanischen Bergfried ist der Ge¬schichte der Burg und der Porzellanherstellung gewidmet.
Von Kahla soll uns ein weiterer Abstecher westwärts in den Rein¬städter Grund führen. Seine Landschaft verengt sich zur tiefen Schlucht des Mordgrundes zwischen steilen Kalkfelsen, um dann auf der Hochfläche der Ilmplatte zwischen Weimar und Rudolstadt zu enden. Der Name der Schlucht geht auf ein Ereignis während des Dreißigjährigen Krieges zurück: Bauern, die das schwedische Heer hier überfallen wollten, sind im Tal niedergemetzelt worden.
Am Eingang des landschaftlich so reizvollen Tales liegt Reinstädt. In dem Fachwerkdorf haben sich die Reste eines der mittelalterli¬chen, für Thüringen charakteristischen Adelssitze erhalten. Schon von weitem sind die Kemenate und die spitzen Helme der Kirche zu erkennen. Ob der massive Wohnturm der Kemenate mit einer im 11. Jh. verzeichneten Burg identisch ist, läßt sich nicht belegen. Er trägt anderen frühen mittelalterlichen Kemenaten in Thüringen vergleich¬bare Züge. Sie äußern sich im rechteckigen Grundriß, in der Ge¬schlossenheit der Mauern wie auch im hoch liegenden Zugang. Auf eine relativ späte Ausbauphase weisen indes die Zinnen hin, die heu¬te unter dem flachen Walmdach vermauert sind. Die lange Nutzung als Wohnraum bezeugen der Treppeneinbau aus dem 16. Jh. und ein durchgängiger großer Kamin in den drei Obergeschossen.
Gleichfalls ein wehrhafter Bau ist die zwischen 1450 und 1480 entstandene Kirche. Ihr Turm stand ursprünglich frei neben dem Gotteshaus und ist möglicherweise sogar älter als dieses. Seine fünf Spitzhelme stammen aus der Bauzeit der Kirche. Das gesamte Lang¬haus umzieht ein Wehrgang mit Zinnenkranz, der auch zum Turm führt. Schießscharten in den Langhauswänden dienten der Verteidi¬gung. Über dem westlichen Portal befindet sich ein Gußerker, von dem aus Pech auf Eindringlinge herabgegossen oder auf andere Wei¬se der Zugang zur Kirche verhindert werden konnte. In merkwürdi¬gem Gegensatz zu dieser fortifikatorischen Gestaltung steht der Chor mit seinen großen maßwerkgeschmückten Fenstern. Die Herr¬schaftsloge und die bemalte flache Decke schmücken den Innen¬raum, der inzwischen restauriert worden ist. Die heutige Kirchhof- ummauerung läßt darauf schließen, daß hier einst eine Wehrmauer bestanden hat. Eine der interessanten befestigten Kirchen in Thürin¬gen – was den mittelalterlichen Bestand anbelangt – blieb hier etwas abseits der kunsthistorischen Besichtigungswege erhalten.

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