Zwischen Kelten und Hermunduren

Bis zu 300 000 Jahre in die Geschichte unseres Kontinents reichen die Spuren frühmenschlichen Lebens in dem Gebiet zurück, welches heute Thüringen einschließt. Im Wipper-Tal wurden Schädelstücke des Homo erectus gefunden. Nachdem Archäologen bei Bilzingsle¬ben am Südostausgang der Hainleite im Unstrut-Tal auf weitere Spu¬ren dieser frühen Gattung des Menschen gestoßen waren, die aller¬dings fast 200 000 Jahre jünger sind, wurde diese Hominidenart nach dem Fundort Homo erectus bilzingslebenensis bezeichnet. Vor etwa 100 000 Jahren, als sich das heute thüringische Gebiet als Waldsteppe zeigte, zogen jagende Frühmenschen hier umher und fanden an den Kalkhängen der Flußtäler natürlichen Unterschlupf. Der Schädelfund von Ehringsdorf bei Weimar belegt die Anwesen¬heit der Urmenschen und vermittelt zugleich seine durch die Jahr-tausende vollzogene Mutation zum Homo sapiens.
Deutlichere Spuren und Hinweise auf gesellschaftliche Organi¬sierungen sind aus der Übergangszeit vom Mittel- zum Jungpaläoli- thikum bekannt. In diesem jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit ver-banden sich die Horden jagender Frühmenschen allmählich zu Sip¬pen. Die glazialen Flächen der Weichseleiszeit zogen sich weit nach Norden zurück, so daß in das heutige thüringische Gebiet Jäger und Sammler aus dem Süden vorstießen. Sie kamen über die Höhen des Frankenwaldes und fanden im Orla-Tal zeitweise wohl gute Lebens¬bedingungen vor, wie die Funde von Steingeräten andeuten. Auf dem Zoitzberg südlich von Gera wird sogar ein größeres Lager die¬ser Jäger vermutet. Möglicherweise blieben die Siedlungsplätze nur kurze Zeit bewohnt, war ihre Nutzung doch von den klimatischen Bedingungen der Steppenlandschaft vor etwa 12 000 Jahren abhän¬gig. Die Jagd- und Lagergebiete erstreckten sich vorwiegend entlang den Flußläufen, wie Funde bei Saaleck und Oelknitz bestätigen. Bei Grabungen stieß man hier sogar auf Feuerstellen und Pfostenreste einfacher zeltartiger Behausungen. Auch andere eiszeitliche Fund¬stücke, zum Teil mit dekorativen Einritzungen, lassen darauf schlie¬ßen, daß Wanderbeziehungen bis weit in den südlichen und süd¬westlichen Raum Europas bestanden haben.
In der Jungsteinzeit ließen sich im thüringischen Raum die ersten Bodenbauern nieder. Nun folgten über drei Jahrtausende Bandkera¬mik und verschiedene Becherkulturen, schließlich die für Thüringen charakteristische Glockenbecherkultur jener Epoche von etwa 2200-1700 v. Chr. Diese neolithischen Kulturen erhielten ihre Be¬nennungen nach den typischen Dekorations- und Gefäßformen der Keramik.
Ein vorgeschichtliches >Industrieland< wurde Thüringen mit der Bronzezeit, die hier Mitte des 2. Jt. v. Chr. einsetzte. Aus der frühen Bronzezeit sind Kultstätten in den Höhlen des Kyffhäusers mit Scherben und einzelnen metallischen Geräten aufgefunden worden. Mit dem Abbau von Kupfererzen und Bergzinn am Südhang des Thüringer Waldes und am Harz sowie im Saalfelder Raum setzte hier die Metallbearbeitung ein, und sie erreichte rasch hohe Qualität. Jene Metallurgen beherrschten verschiedene Gußtechniken hervor¬ragend, wie die zahlreichen Fundstücke beweisen, welche vor allem das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar birgt. Die Erzverhüttung bildete die Voraussetzung für die Fertigung von Kult- und Schmuckgegenständen der Aunjetitzer Kultur, die nach ei¬nem Gräberfeld bei Ünetice (Aunjetitz) in Nordböhmen benannt ist. Sie gehört etwa in die Zeit von 1800-1500 v. Chr. und weist mit schnurkeramischen Motiven deutliche Bezüge zu den spätneolithi- schen Kulturen auf. Hockergräber – bei Großbrembach nahe Butt¬städt wurde die ausgedehnteste Bestattung dieser Art, bei welcher der Tote mit angezogenen Beinen auf der Seite liegt, im Thüringer Raum gefunden – und große Grabhügel kennzeichnen jene Kultur. Sie sind auch heute noch an manchen Stellen der nordthüringischen Landschaft deutlich zu erkennen.

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