Zwischen Kelten und Hermunduren 3

Unterstrichen wird diese Vermutung noch durch die Tatsache, daß keltische Stämme den Ausbau des Kleinen Gleichberges fortsetzten. Aus dem südwestlichen Raum zuwandernd, verfügten sie über her¬vorragende Kenntnisse der Eisenverhüttung und -Verarbeitung. Ra¬seneisenerz fand sich in der südthüringischen Landschaft, Eisen¬knollen ließen sich im Keuper des Grabfeldes Zusammentragen. Brennöfen und Töpferscheibe, Waffen- und Werkzeugfertigung brachten die Kelten aus den mittelmeerischen Kulturräumen in den Norden. Dies vollzog sich in jener Epoche eher durch Handel als durch Kriege.
Auch im germanisch besiedelten nordthüringischen Raum fand das von den Kelten vermittelte Wissen Eingang. Ein interessantes Zeugnis dieser Entwicklung zeigt sich an der Neuenburg in Frey¬burg: In die Wand des romanischen Wohnturmes ist eine Figur ein¬gefügt, die im Volksmund nach dem Fundplatz auf dem benachbar¬ten Bergrücken >Haingott< genannt wird. Es handelt sich um eine kauernde Gestalt mit unförmigem Kopf, engstehenden Augen und kräftigem unteren Gesichtsteil; etwas ungelenk sitzen Arme und Bei¬ne an dem kurzen Körper. Vieles deutet auf einen frühgeschichtli¬chen Ursprung hin: Typisch für keltische Kopfbilder sind die niedri¬ge Stirn und der kräftige Unterkiefer. Über das Gesicht verläuft die Spur eines Axthiebes. Solche >Keltenhiebe< nahm das frühe Chri¬stentum an heidnischen Bildnissen allenthalben vor, um die ihnen zugesprochene Macht zu bannen. Es kann sich hier also um ein kel¬tisches Götter- oder Ahnenbild handeln. Damit verstärkt sich die Annahme einer bis in das Unstrut-Gebiet reichenden keltischen Be¬siedelung oder zumindest einer bis hierher reichenden Handelsbe¬ziehung.
Die Kelten nutzten auch die Solequellen im Werra- und Saale-Tal. Auf dem Ochsen bei Vacha im Werra-Bogen lag, ähnlich den Gleich- bergen, ein umwehrter Platz. Zwischen Ülster- und Felda-Tal bildete er einen vergleichbar günstigen Ausgangspunkt für die Überwa¬chung von Handelsbeziehungen zwischen den südwestlichen, kel¬tisch durchsetzten und den weiter nördlich gelegenen Gebieten. Die Fülle von Grabstätten und anderen archäologischen Funden belegt eine recht große Siedlungsdichte und die frühe merkantile Bedeu¬tung dieses Raumes, in dem sich im 1. Jh. v. Chr. die Turonen und die Sueben ansiedelten. Römische Quellen vermelden dann um die Zei¬tenwende die Hermunduren als einen der germanischen Stämme, die das mittlere Werra-Gebiet beherrschten .
Damit rückt Thüringen in das Licht der Geschichte. Das Haupt¬siedlungsgebiet der Hermunduren erstreckte sich zwischen mittlerer Saale und Elbe. Im Verlauf des 1. Jh. nach der Zeitenwende gelang¬ten die von Tacitus um das Jahr 100 im heutigen schleswig-holsteini¬schen Raum beschriebenen Warnen in den Thüringer Raum. Von der Nordsecküste kamen Angeln hinzu und vermischten sich mit den bereits seßhaften Hermunduren. Gegen Ende des 4. Jh. taucht in der >Mulomedicina< – der Tierheilkunde des Römers Vegetius – auch der Name der Thüringer zum ersten Mal auf. Der bereits zu Macht ge¬kommene Stamm muß also Beutezüge weit über sein Gebiet hinaus nach Westen unternommen haben, aber auch ins Fränkische und Böhmische vorgestoßen sein. Das Thüringer Reich – von einem sol¬chen ist angesichts der bereits ausgeprägten Herrschaftsstrukturen zu sprechen – erstreckte sich vom Werra-Gebiet bis an die mittlere Elbe, seine Südgrenze lag zwischen Thüringer Wald und dem Do¬nau-Gebiet, während es im Norden den Harzraum und darüber hin¬aus Landstriche bis an die Elbe bei Magdeburg umfaßte. Das eigent¬liche Machtzentrum ist im Raum Erfurt-Arnstadt zu suchen, mögli¬cherweise spielte die Alteburg eine Rolle, welche auf latenezeitliche Besiedelungen zurückgeht und ein bedeutender keltischer Handels¬platz war.
Klimavergleiche müßten Aufschluß darüber erbringen, weshalb im Thüringer Becken für die ersten Jahrhunderte unserer Zeit relativ wenige archäologische Funde vorliegen. Der Wasserreichtum kann zeitweise zu Überflutungen und zur Bildung von Sumpfgebie¬ten geführt haben, was den Raum für dauerhafte Wohnplätze bcschnitt.

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