Zwischen Kelten und Hermunduren 2

Mit dem Übergang zum 1. Jt. v. Chr. veränderten sich die kulti¬schen Bräuche vor allem im Bestattungsritus. Nun setzte die Epoche der Urnenfelder und der mit Steinen umsetzten Grabanlage ein. Pa¬rallel dazu drang die spätbronzezeitliche Lausitzer Kultur in den ganzen ostthüringischen Raum vor. Das Land war dicht besiedelt, und große Wallanlagcn entstanden auf Bergen und Felsvorsprüngen über Flußtälern: auf dem Jenzig und dem Johannisberg in Jena, auf dem Alten Gleisberg bei Eisenberg und dem Gleitsch bei Saalfeld. Sie markieren Herrschersitze und Fertigungs- sowie Handelsplätze, möglicherweise auch Lager jener schmuckfreudigen Epoche. Viele der alten Fundstätten zeigen sich – wenn überhaupt – nur noch als Ruinen, denn im 19. Jh. untersuchten geschichtsbegeisterte Heimat¬forscher diese Plätze, häufig ohne archäologische Ausbildung und meist mit geringer Grabungserfahrung. Als Lehrer und Sammler – oft auch verdienstvoll – thüringische Heimatgeschichte zu dokumentie¬ren begannen, fiel manches bis dahin im Schoß der Erde Bewahrte ungestümem Forscherdrang zum Opfer.
Ist die Thüringer Landschaft im allgemeinen nur als ein Randge¬biet der Hallstatt-Kultur – wie die Kultur der älteren Eisenzeit zwi¬schen etwa 700-450 v. Chr. nach dem oberösterreichischen Fund¬platz genannt wird – zu bezeichnen, so steht doch eines der großen mitteleuropäischen Zeugnisse jener Epoche hoch über der thüringi¬schen Landschaft: Nahe bei Römhild erheben sich die beiden Glcichberge, der Kleine 642 m und der Große 679 m hoch, in dem breiten Kessel zwischen Rhön und Thüringer Wald – eine fast ideale, landschaftsbeherrschende Lage, denn von hier vermag der Blick bis an die Bergbarrieren im Norden und nach Süden in das sich weit er¬streckende Land zu schweifen. Schon von alters her nährten die aus Basaltbrocken geschichteten Steinwälle auf dem Kleinen Gleichberg Legenden und historische Vermutungen. Die Wälle fügen sich in mehreren Ringen um einen engen, zweigeteilten inneren Bereich, was an eine Ritterburg denken läßt. Eine jener Legenden berichtet von einem Ritter, der seine schöne Tochter einem Bewerber verwei¬gerte und sich mit dem Teufel verbündete, damit er ihm in nur einer Nacht sein Haus auf dem Berge fünffach ummauerte. Wie so oft in Legenden fand er einen Gegenspieler – hier in Gestalt der Amme der begehrten Tochter, welche mitten in der Nacht einem Hahn den Morgenschrei entlockte, indem sie Feuer anzündete. Der Teufel ver¬schwand, und die Mauern blieben unvollendet. Zu ergänzen wäre, daß natürlich der Bewerber die Tochter heimführen durfte, weil der Teufel den Ritter mit sich nahm. Auch die archäologische For¬schung brachte Licht in das Dunkel auf dem Kleinen Gleichberg. Man erkennt in zweien der inneren Wallringe Anlagen aus dem 9. oder 8. Jh. v. Chr., die als ein Sitz des sich herausbildenden Gentila- dels und als Zufluchtsstätte eines ganzen Stammes angelegt worden sind. Solche Fluchtburgen waren also erste Siedlungszentren, die immer wieder nach Streifzügen oder in Gefahrensituationen heim¬gesucht wurden. Das ist auch auf dem Kleinen Gleichberg mit gro¬ßer Wahrscheinlichkeit der Fall gewesen, denn in den Folgezeiten des 5. Jh. – dem Übergang zur La-Tene-Zeit, der jüngeren vorrömi¬schen Eisenzeit und dann bis ins 1. Jh. v. Chr. wurden die Stein¬ringe oft erweitert und vergrößert, bis sie schließlich die ganze Berg¬kuppe umfaßten. Das deutet zum einen auf eine recht umfangreiche Besiedelung hin. Zum anderen führte nun über die Gleichberge von Süden ein Weg zum Thüringer Wald und über seinen Kamm hinweg in den Raum des Thüringer Beckens. Da liegt der Gedanke nahe, daß es sich nicht allein um eine Fluchtburg, sondern gleichfalls um einen wesentlichen strategischen Stützpunkt handelte – ein soge¬nanntes oppidum von dem aus man nicht nur die Umgebung überblicken und bewachen, sondern auch Warenaustausch betrei¬ben konnte.

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