Zwischen Aufklärung und Fabrikepoche 3

Mit dem Beitritt der thüringischen Staaten zum Norddeutschen Bund im Jahre 1866 begann der Prozeß der Vereinigung Thüringens zu einem Land. Die Verminderung der Zahl der Kleinstaaten führte zu dynastischen Problemen in der Erbfolge, aber auch zu Regie¬rungsunfähigkeiten – so in der älteren reußischen Linie mit der feh¬lenden Nachfolge für Heinrich XXII., oder in der Notwendigkeit fürstlicher Personalunionen. Es kam vor allem zu weitreichenden Verwaltungs- und Gesetzesvereinheitlichungen. Der Erste Weltkrieg und die mit ihm verbundenen revolutionären Umgestaltungen brachten 1918/19 das Ende der Vielstaatlichkeit Thüringens. Am 19. Januar 1919 trat die Weimarer Nationalversammlung als erste frei gewählte verfassunggebende Körperschaft einer deutschen Republik in der Stadt an der Ilm zusammen (wegen der revolutionären Ereig¬nisse in Berlin waren die Parlamentarier nach Thüringen ausgewi¬chen) und verabschiedete am 11. August die Verfassung des Deut¬schen Reiches. In ihr waren erstmals die bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten weitgehend festgeschrieben und mit der deut¬schen nationalen Einheit verbunden: das Grundgesetz der Weimarer Republik.
Neben den traditonellen Gewerbe- und Fabrikationszentren Thü¬ringens in Suhl, Zella-Mehlis und Schmalkalden, den alten Tuch¬handel- und Veredelungsstätten Mühlhausens, der Lebensmittelfa¬brikation in Nordhausen und der vogtländisch-ostthüringischen Textilfabrikation entstand mit dem Bau der Eisenbahnfernstrecke – und hier besonders an der seit 1847 befahrenen >Thüringer Magistra¬le« zwischen Halle und Bebra – das eigentliche Industriepotential der großen Städte.
Die Apoldaer Strumpffabrikation hatte sich schon Ende des 19. Jh. auf die maschinelle Fertigung von Strick- und Wirkwaren um¬gestellt und prägte nun mit neuen Fabrikanlagen das Stadtbild. Seit 1872 entstand als Zweigwerk der Sulzbach-Rosenberger Maximili¬anshütte in Unterwellenborn bei Saalfeld die Maxhütte. In Erfurt weitete sich die Werkzeug- und Maschinenfertigung aus – 1914 gab cs 1280 Industriebetriebe und Fabriken in der Stadt! Während in Gotha die Waggonfabrik – auf den Straßenbahnwagenbau ausgerich¬tet – die technische Entwicklung signalisierte, siedelten sich hier schon Ende des 18. Jh. neue der Industrialisierung entsprießende Unternehmungen an: 1785 gründete Justus Perthes seine kartogra¬phische Anstalt, in der seit 1817 »Stielers Handatlas« erschien, eines der weitestverbreiteten Kartenwerke. In seiner Bedeutung als Bild¬werk des Volkes war es durchaus vergleichbar dem »Gothaer Hofka¬lender«. Dieses später als genealogisches Taschenbuch des Adels und als statistisches Jahrbuch der Diplomatie fortgeführte editori- sche Status-Werk lief gar schon seit 1764 über die Druckerpressen. 1821 wurde Gotha Sitz der von Emst Wilhelm Arnoldi begründeten Feuerversicherungsbank, der sechs Jahre später die Lebensversiche¬rungsbank folgte – im städtebaulichen Ensemble durch die großan¬gelegten Baulichkeiten ausgewiesen. Aus der 1898 in Eisenach ge¬gründeten Ehrhardtschen Fahrzeugfabrik ging das Zweigunternch- men der Bayerischen Motorenwerke hervor. In den 20er Jahren er¬langte es mit dem Kleinauto Dixi Berühmtheit. Bis 1989 dienten die nun abgetragenen Werkshallen der Herstellung des Wartburg-Autos; seit 1991 laufen moderne Kleinwagen von den Bändern des neuen Opel-Automobilwerks unweit des Stadtzentrums.

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