Weimar

Gleich, ob über die Autobahn von Süden bzw. mit dem Zug von Norden kommend – man muß in die Stadt hinabfahren, die sich im Ilm-Tal ausbreitet. Nähert man sich ihr vom Süden her, passiert man zunächst unmittelbar nach der Autobahnabfahrt Gelmeroda, ein kleines Dorf, das in der Kunst Berühmtheit erlangte: Als Lyonei Fei- ninger Meister am Bauhaus war, hielt er die umliegenden Ortschaf¬ten in zahlreichen Skizzen und Aquarellen fest; so interpretierte er in einem seiner expressiven Bilder den schlanken Helm der kleinen Dorfkirche als kristallin-kubistisches Linien- und Farbengerüst.
»Wählen Sie Weimar zu ihrem Wohnort – wo finden Sie auf einem so engen Fleck noch so viel Gutes!« Diesen Ratschlag Goethes be-herzigte zumindest sein treuer Gehilfe Eckermann und freundete sich auf Dauer mit der Stadt an der Ilm an. In weniger guter Erinne¬rung wird sie zunächst hingegen dem Komponisten Franz Liszt ge¬blieben sein, der Weimar 1861 erst einmal verließ – enttäuscht über den antiquierten, nach wie vor der Klassik verpflichteten Kunstge¬schmack des Publikums. Gegensätzliches empfindet man auch heu¬te in Weimar. Von Süden her gelangt man durch das ausgedehnte Vil¬lenviertel ins Stadtinnere, von Norden durch die achsiale Bahnhof¬straße, von West und Ost durch wenig ansprechende Vorstadträume. Dann ein Straßenring, der an drei Seiten umschließt, was Goethe be¬sang und beging: einen von engen, gewundenen Gassen durchzoge¬nen, dicht bebauten Stadtkern. Man sieht Weimar den Aufstieg vom >Flecken< neben dem fürstlichen Sitz an und spürt jenen Hauch der Klassik, welcher um die Wende des 18. zum 19. Jh. durch ein paar Jahrzehnte so fruchtbar wirkte und dessen Tradition am Ende des 20. Jh. noch immer über Weimar schwebte. Heute ist die Stadt Goethes und Schillers, Wielands und Herders, der Charlotte von Stein und Corona Schröter, der Herzogin Anna Amalia und des Großherzogs Carl August Sitz der Stiftung Weimarer Klassik, einer wissenschaftli¬chen Forschungsinstitution von weltweiter Bedeutung. Andererseits blieb nicht allzuviel von den später nach Weimar getragenen innova¬tiven Kulturmomenten: Die Bauhausmeister mußten sich früh den Nationalsozialisten beugen, so daß in Weimar selbst vergleichsweise wenig bauliche Zeugnisse von ihren weitreichenden Gedanken kün¬den. Letztlich blieben die Streiter um Gropius und Klee den Weima¬ranern auch eher exotisch als vertraut. Tatsächlich: Der Klassikerort ist in seinem Äußeren und seiner Seele merklich zweigeteilt.
Da ist einerseits die Siedlung am Ilm-Bogen, die in ihrer Grund¬struktur mittelalterlich blieb und sich klassisch aufgefrischt flußauf¬wärts durch die Parkaue entlang der Ilm und bis zum Schloß Belve¬dere erstreckt. Andererseits sind da die Raster der nach Süden und Norden gewachsenen Stadträume. In ihrer noblen Villenbebauung wie in den repräsentativen Verwaltungsgebäuden wird der Bedeu¬tungsanspruch der Residenz in nachklassischer Zeit deutlich, und auch jene zwölf Jahre als Landeshauptstadt von 1933-45 lassen sich, wenn auch in wenigen Spuren, zwischen Landesmuseum und Ja¬cobsviertel erkennen. Welche Stadt kann schon ihre Geschichte ver¬leugnen? Die Weimars erlangt ganz am Ende des 20. Jh. neue Di¬mensionen: 1999, im Jahr von Goethes 250 Geburtstag, wurde es >Kulturstadt Europas<, und seit 2002 erfreut sich die Klassikerstadt gar eines Ginkgomuseums.
Geschichte
Für die erste Erwähnung der Burg über der Ilm bot 975 ein Hoftag Ottos II. Anlaß. 1254 ist Weimar als civitas bezeugt und stand seit¬dem unter dem Schutz der Grafen von Orlamünde. Als ihr Ge¬schlecht ausstarb, gelangte der Ort 1373 in den Besitz der Wettiner, und bei deren Herrschaftsteilung 1485 wurde er dem ernestinischen Territorium zugeschlagen. Als ältesten mittelalterlichen Siedlungs¬kern muß man das Gebiet rings um die Jacobskirche ansehen, das sich zwischen der heutigen Friedensstraße und dem Graben er¬streckt. Darauf deutet ebenfalls die Gründungsinschrift an der Ja¬kobskirche von 1168 hin. Vermutlich lag hier im Bereich des jetzigen erweiterten Rollplatzes auch ein Markt. Doch die große Ost-West- Handelsstraße, die via regia, führte in weitem Abstand zur Burg und im Norden jenseits des Ettersberges vorbei. So scheint die Grün¬dung der Stadt unmittelbar bei der Burg im 13. Jh. eher auf die ge¬wachsene Bedeutung dieser Befestigung als auf den Markt zurückzu¬führen zu sein. Westlich der Stadtkirche, die zwischen 1245 und 1249 erbaut wurde, entstanden regelmäßig angelegte Viertel; zur Markt- und Schloßgasse hin dehnte sich die Siedlung dagegen frei aus. Die Rittergasse verweist im Namen noch auf die ursprünglichen Anwohner, und auch die Stadtstruktur deutet auf eine Burgsiedlung hin. Erst mit der städtischen Erweiterung seit dem Anfang des 14. Jh. bildete sich dann ein Marktplatz an der heutigen Stelle. Er liegt in¬mitten des neuen Stadtgebietes zwischen Marktstraße und Schiller- und Puschkinstraße im Süden und markierte nun ein stadtbürgerli¬ches Umfeld, das schließlich auch die Westseite der Siedlung des 13. Jh. bis zum heutigen Goetheplatz sowie den Graben umfaßte. Von der etwa gleichzeitig errichteten Stadtbefestigung ist gegenüber dem Hauptpostamt der Kasseturm erhalten geblieben – eines der we¬nigen Denkmäler des alten Festungswerkes. Die erste Siedlung um die Jacobskirche jenseits des Grabens blieb indes aus dem Stadtgefü¬ge ausgeschlossen. Nachdem 1424 die Burg und die halbe Stadt ei¬nem Brand zum Opfer gefallen waren, entstanden im 15. Jh. die er¬sten großen städtischen Neubauten von Stadtkirche und Rathaus.
Auf eine inzwischen rege merkantile Tätigkeit deutet die Waidhan¬delsordnung von 1456 hin. Der Wiederauftau der Burg – man könn¬te auch von einem ersten Schloß sprechen – dauerte bis weit in das 16. Jh. hinein. Johann der Beständige, Bruder des Kurfürsten Fried¬rich des Weisen, residierte 1513-25 in der Stadt und bereitete der Re¬formation einen guten Boden. Von 1547 an blieb Weimar bis 1918 ständige Residenz und veränderte bis zur Goethe-Zeit seine Ausdeh¬nung kaum, wohl aber seine bauliche Gestalt.

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