Weimar 7

In der Mitte des Platzes steht, gleich einem Querriegel, das Land- schafts- oder Fürstenhaus. Der Landbaumeister Johann Gott¬fried Schlegel errichtete es 1770-74 an der Stelle des mittelalterli¬chen Franziskanerklosters. Nachdem die herzogliche Familie aus dem Haus in das Residenzschloß übergesiedelt war, wurde es zum Amtssitz Goethes, der hier als Minister residierte. Der Funktion als Herrschersitz ledig, erfuhr das Gebäude für unterschiedliche Ver-wendungszwecke Umbauten; unter anderem erhielt es 1889, als der thüringische Landtag und die Ministerien hier eingezogen waren, den Säulenvorbau als repräsentativen Zugang. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm es dann die Hochschule für Musik >Franz Liszt< auf, welche sich an Sommertagen klangvoll bemerkbar macht.
Die Hochschule im Rücken, erblickt man links voraus das Rote Schloß, ab 1573 als herzoglicher Witwensitz erbaut und 1808 von Clemens Wenzeslaus Coudray verändert. Rechterhand das Gebäude der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek- das älteste Bauwerk hier, wenn auch heute kaum noch erkennbar ist, daß der Weimarer Herzog es bereits 1562-65 als Wohnhaus für seinen Bruder errichten ließ. Baumeister war Nikolaus Gromann. Der Umbau zum Biblio¬theksgebäude ließ die Renaissance-Architektur weitgehend ver¬schwinden, um die sich nun die durch weitgestellte Kolossalpilaster gegliederten barocken Außenwände ziehen. Darüber spannt sich ein mächtiges Mansarddach, welches wir ganz ähnlich am Fürstenhaus gesehen haben. August Friedrich Straßburger, Baumeister auch des Eisenacher Schlosses, schuf im Inneren den über drei Geschosse rei¬chenden ovalen Bibliothekssaal, dessen umlaufende Galerie Dich¬ter- und Künstlerbüsten schmücken – eine der schönsten Raum¬schöpfungen der Rokokozeit. Goethe, dem die Oberaufsicht über die Bibliothek oblag und der hier eng mit seinem Schwager Christi-an August Vulpius zusammenarbeitete, regte den Verbindungsbau zum Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung an, der oberhalb der Ilm stehengeblieben war. Heinrich Gentz lieferte den Bauent¬wurf, nachdem die Lücke 1803-05 geschlossen und damit der Turm in die Bibliothek eingebunden wurde. In das Turminnere verbrachte man eine Wendeltreppe aus der Osterburg in Weida mit einem durchgehenden hölzernen Mittelpfeiler. Turm, Lückenbau und die mächtigen Arkaden vom ersten Bau erkennt man von der Parkseite her. Diese ursprünglich grün gefärbten Bogen verliehen dem Renais¬sancewohnbau auch seinen Namen Grünes Schloß, der sich dann später auf die Bibliothek übertrug. Ihr eigentlicher Name geht auf Herzogin Anna Amalia, der kunstliebenden Mutter Carl Augusts zurück, welche die Büchersammlung 1761 gründete. Mit derzeit rund einer Million Bänden ist sie nicht nur die herausragende Bi¬bliothek Thüringens sondern das Kernstück der deutschen Klassik¬forschung schlechthin. Eigene Werte stellen darin die ca. 14 000 Bände zur Faust-Literaturgeschichte und die Bibliothek der Shakes¬peare-Gesellschaft dar, die größte Sammlung von Shakespeare-Ori¬ginalausgaben auf dem europäischen Kontinent. Ebenso birgt diese Schatzkammer die Nietzsche-, List- und Arnim-Sammlungen und schließlich neben den Minnesängerhandschriften den Weimarer Co¬dex, die »Biblia pauperum« aus der Zeit um 900. – Ein Blick ins Rote Schloß und dessen modernen Bibliothekssaal lohnt allemal.
Nur wenige Schritte, zwischen Bibliotheks- und Musikhochschul¬gebäude hindurch, führen zum Haus der Frau von Stein. Ei-gentlich handelt es sich bei diesem zweigeschossigen Barockgebäu-de mit vorgezogenen Kopfbauten um ein altes Vorwerk. Auf diesem w urden später die Stallungen für die Weimarer Husaren eingerichtet, die 1777 auf Goethes Empfehlung zum heute noch erhaltenen Wohnhaus für den Oberstallmeister Josias Freiherr von Stein umge¬baut worden sind. Die freundschaftliche Verbundenheit Charlottes von Stein mit Goethe, die auf einer sehr befruchtenden Geistesver¬wandtschaft beruhte, bot seither Stoff für literarische und wissen¬schaftliche Erörterungen. Ein halbes Jahrhundert, bis zu ihrem Tod 1827, lebte Charlotte von Stein hier. Nicht nur geistig, auch räumlich war ihr der Dichter zwischen 1779 und 1781 wohl am nächsten, als er im benachbarten Haus Seifengasse 16 wohnte.

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