Weimar 6

Der mittelalterliche Turm erhielt 1728 von Gottfried Heinrich Krohne einen neuen barocken Aufbau. Doch schon 1774 brannte das Schloß wiederum bis auf die Umfassungsmauern nieder. Den nun folgenden Neuaufbau, der über 25 Jahre andauerte, leitete zu¬nächst der Hamburger Baumeister Johann August Arens. Auf ihn geht die Ostfassade mit der oberen Säulenhalle und der Durchfahrt zurück. Die beiden nachfolgenden Hauptbaumeister, Nikolaus Friedrich Thouret aus Stuttgart und der schlesisch-preußische Hein¬rich Gentz, ein Schüler von Gontard, wurden auf Anraten Goethes nach Weimar berufen. Thouret, der seit 1798 tätig war, gestaltete vor allem die Innenräume. Unter Gentz wurde das Schloß seit 1801 voll¬endet. Er baute das klassisch durchhellte obere Treppenhaus im Ost¬flügel aus. Festsaal und Falkengalerie entstanden unter seiner Lei¬tung in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Friedrich Tieck, dem der gleichfalls klassizistische Bildschmuck zu verdanken ist; den Westflügel des Schlosses stellte schließlich der Weimarer Clemens Wenzeslaus Coudray 1840 fertig.
Als 1913/14 der südliche Querflügel mit dem Hauptdurchgang er¬richtet wurde, verschwand die eigentliche Struktur der großen Hof¬anlage. Der in klassizistischen Formen vollendete barocke Grundge¬danke, nach dem Architektur und Landschft ineinanderfließen, ging verloren. Das Schloß erhielt eine kastellartige Vierflügelgestalt, wie sic ursprünglich einmal angestrebt war. Der vorgelagerte Teil des Parks mußte dem breiten Platz und den Verkehrsstraßen weichen, und wie auf einem Tablett steht nun die >Bastille< neben dem Schlo߬geviert – immer noch und immer wieder beeindruckend, wie auch dem Südflügel des Weimarer Schlosses keinerlei negative Wertung angediehen sei.
Im Schloßinneren ist heute die >Stiftung Weimarer Klassik< un¬tergebracht. Sie entstand 1954 unter anderem Namen mit der Zu-sammenfassung der in Weimar und dem Thüringer Land befindli¬chen historischen Zeugnisse und Denkmäler, Archive, Sammlungen und Museen deutscher Klassik. Das Goethe-Nationalmuseum, das Goethe-und-Schiller-Archiv, das Institut für deutsche Literatur und die Zentralbibliothek der deutschen Klassik bilden die vier Kernzel¬len der neugegründeten Stiftung. Über 800 000 Dokumente, Hand¬schriften und literarische Zeugnisse, ein Bibliotheksbestand von über 110 000 Büchern, dazu die Fülle der Forschungsarbeiten und Neuveröffentlichungen bestätigen die Ausstrahlungskraft dieser gro¬ßen wissenschaftlichen und kulturellen Institution.
Als zweite, kaum minder bedeutende Einrichtung befinden sich im Schloß die Staatlichen Kunstsammlungen Weimar, hierauch als Schloßmuseum bezeichnet. Ihr Kernstück bildet deutsche Kunst, darunter natürlich insbesondere Werke der klassischen Epoche des ausgehenden 18. und frühen 19. Jh. sowie der Weimarer Malerschu¬le, welche die Freilichtmalerei auf ganz eigene Weise kultiviert hat. Nicht zu vergessen ist die Sammlung von Zeugnissen des Bauhauses, eine der bedeutendsten in deutschen Museen. So zurückhaltend ma¬jestätisch sich der Schloßbaukörper äußerlich zeigt – fast könnte man sagen ein wenig karg -, so reich und ganz im Sinne der kunst- und kulturfördernden Tradition des großherzoglichen Weimarer Ho¬fes strahlt aus dem Schloßinneren in neuer interpretativer Sprache Klassisches weit über Weimarer und deutsche Grenzen hinaus.
Hinter dem Schloß verborgen bleibt der Marstall, ein Neo¬renaissancegebäude mit flach überkuppeltem Portalbau aus den 70er Jahren des 19. Jh. Hier befindet sich heute das Staatsarchiv. Blickt man nordostwärts zum Talhang jenseits der Ilm, so erkennt man den neoklassizistischen Baukörper des Goethe-und-Schiller-Archivs, der sich über die Baumwipfel erhebt. 1893-96 erhielt das Archiv diesen Platz, an dem es das klassische Weimar wie ein Sym¬bol überragt; das Gebäude entwarf der Architekt Otto Minkert. Über eine der ältesten Ilm-Brücken, die Kegelbrücke, gelangt man dorthin.
Vom Platz der Demokratie zum Park an der Ilm
Südwärts vom Schloß führt der Weg sanft ansteigend über den mit¬telalterlichen Burgplatz, den späteren höfischen Lustgarten und jet¬zigen Platz der Demokratie. Weiter östlich steht am Ilm-Ufer das barocke ehern. Reithaus, 1803 von Heinrich Gentz klassi¬zistisch umgebaut. Wenden wir uns wieder der Freifläche zu, wird unser Blick eingefangen von barocken Schloßgebäuden. Hier, an der höchsten Stelle des altstädtischen Raumes, nahm der Aufstieg Wei-mars zur Klassikerstadt seinen Ausgang. Nicht von ungefähr be¬herrscht also das Denkmal des Herzogs Carl August den Platz. Eher Donatellos Reiterstandbild des Gattamelata verwandt als Verocchios venezianischem, herrscherhaftem Colleoni, erscheint das Imperatorenbild des Weimarer Herzogs, das der Bildhauer Adolf von Donndorf 1875 geschaffen hat: Erhaben hoch zu Roß und doch als Mensch unter seinesgleichen, als Freund und geistiger Gefährte Goethes und Förderer des geistig Neuen seiner Zeit – die Sicht des Rietschel-Schülers Donndorf hat heute allgemeine Anerkennung gefunden.
Die ältere Architektur wurde zum Rahmen dieses und dreier ande¬rer Denkmäler am Rande des Platzes: Ältestes davon ist der Ildefon- sobrunnen an der Hofseite des Roten Schlosses zur Rechten. Möglicherweise auf Anregung Goethes wurde hier die Nachbildung des antiken Bildwerkes aufgestellt. Am Bibliotheksturm steht seit i 949 das Puschkindenkmal vom Dresdner Bildhauer Johannes Friedrich Rogge. Schließlich findet man am Parkeingang das Bildnis des Lyrikers und Erzählers Louis Fürnberg, der zu den frühen För¬derern der ehemaligen Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten zählt.

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