Weimar 5

Vom Markt zum Schloß
Der Wechsel der Geschichte hat den Marktplatz geprägt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Architektur an der Nordseite und damit das geschlossene Bild des Platzes zerstört. An dieser Seite entstanden 1990 die historischen Gebäude nach alten Fotos neu. Im Mittelalter fanden auf der Freifläche ritterliche Turniere statt. Erst in den 30er Jahren des 16. Jh. gewann er seine Gestalt und Bedeutung als städti¬scher Handelsplatz. Von jener renaissancehaft bunten und vielge¬staltigen Umbauung vermittelt die Ostseite noch einen Eindruck. Das älteste erhaltene Gebäude ist das Cranachhaus an der Süd-ostecke; 1547-49 ließ es der Kanzler Christian Brück vom Weimarer Baumeister Nikolaus Gromann errichten. Brück war Schwiegersohn Lucas Cranachs d. Ä. Nachdem der Maler 1552 mit dem Kurfürsten Johann Friedrich die Schlacht bei Mühlberg erlebt hatte, richtete er in diesem Haus sein Weimarer Atelier ein. Er hatte wohl gerade das Altarbild für die Stadtkirche angelegt, als er hier 1553 verstarb – es wurde dann von seinem Sohn vollendet. Das Doppelhaus ist mit den beiden Dacherkern und Portalen, den Muschelschalen, Ranken und Grotesken zwischen Rundbogenornamenten und Säulen reich deko¬riert. Mit der denkmalpflegerischen Rekonstruktion erhielt es seine ursprüngliche Farbgebung zurück. Eine komplette Neuschöpfung dagegen ist das nördlich angrenzende Stadthaus. Nach fast völ¬liger Zerstörung im Krieg wurde es 1970 hinter seiner erhaltenen, noch spätgotisch geprägten Marktfront neu erbaut, wobei es in der Gestaltung des Erdgeschosses und des hinter der Fassade stehenden Baukörpers dem heutigen Zweck Rechnung trägt.
Die Südseite des Marktplatzes ist die eigentlich >gastliche<, stan¬den hier doch schon früher gleich drei historische Gasthöfe neben¬einander: Das einstige Hotel Erbprinz wurde 1749 gegründet und hieß dann Parkhotel. Hier stiegen 1807 Napoleon und zwei Jahrzehnte danach Wilhelm von Humboldt ab. Bildkünstler und Musiker gaben sich in den Räumen nicht nur ein Stelldichein, als sich Richard Wagner als flüchtiger Revolutionär aus Dresden hier verbarg; Carl Maria von Weber, Felix Mendelssohn Bartholdy, Nic- colo Paganini, Anton Rubinstein, Hector Berlioz, Franz Liszt und Hans von Bülow standen in den Gästelisten. Nicht minder berühmt ist der >Elephant< nebenan, in dem Thomas Mann Teile seines Romans »Lotte in Weimar« spielen läßt. Auch Christian Friedrich Hebbel und Franz Grillparzer wußten das Haus zu schätzen. 1561 erstmals genannt, war es seit 1696 Nobelherberge der Kaufleute. Freilich ist kaum noch etwas Altes am >Elephanten< erhalten, zu gründlich wurde das Gebäude schon in den 30cr Jahren des 20. Jh. und dann erneut bei einem weiteren Umbau während der 60er Jahre verändert. Zumindest ein Stück Renaissance verblieb jedoch am dritten und ältesten Gasthof, dem >Schwarzen Bären< aus der Zeit um 1540.
Ein wenig fremd im Platzbild erscheint auch heute noch das neo¬gotische Rathaus, das 1842 nach Plänen des Baumeisters Hein¬rich Heß vollendet wurde. An seiner Stelle hatte das erste Weimarer Ratsgebäude gestanden. Das ursprüngliche Baudatum von 1583 ver¬meldet die heute wieder eingesetzte Türinschrift im Obergeschoß. Wie die gegenüberliegenden Bauten war das Haus im Stil der Renais¬sance errichtet; mit schmalem Giebelvorbau ragte es in den Platz hinein. Auch das heutige Gebäude besitzt einen Vorbau, der jedoch weit akademischer« erscheint. Eine stadtgeschichtliche Fundgrube ist noch immer im Rathaus untergebracht: das Stadtarchiv.
An der engen Kollegiengasse – hinter Stadt- und Cranachhaus – erstrecken sich die Fronten des Gelben Schlosses und zum Markt¬platz hin die des Roten Schlosses. Folgt man der südöstlichen Stra¬ßenbiegung vom Markt zu den drei Renaissance-Giebeln des Roten Schlosses, das 1574 als Witwensitz für die Hofdamen errichtet wurde, so gelangt man ins höfische Weimar, das während des 18. Jh. im einstigen Lustgarten des Schlosses entstand. Um diesen Teil Wei¬mars jedoch in der historischen Folge zu erleben, bietet die nördliche Marktabzweigung den besten Einstieg: In der Achse der Gasse Am Markt erhebt sich der älteste Bauteil des castrum Wymar, als wel¬ches das Schloß 1214 erwähnt ist. Nachdem die mittelalterliche Burg abgebrannt war, erfolgte seit 1424 der Neuaufbau. Der untere Teil des mittelalterlichen Turmes blieb bestehen, neben ihm errichte¬te man die >Bastille«. Dieser ehemalige Hauptzugang zum Burg¬schloß war 1439 vollendet, wie die Wappentafel vermeldet. Das Renaissance-Portal entstand erst mit dem Umbau durch Nikolaus Gromann in den Jahren 1545-52 und bildete den künstlerischen Auftakt zur nun entstehenden Burg Hornstein. – Der Name >Bastil¬le« für diesen heute so romantisch anmutenden eigenständigen Bau¬teil des Schlosses geht übrigens auf das spöttelnde Gerede von Hof¬damen über dieses >alte Gemäuer« zurück.
Nachdem die Burg 1618 abermals abgebrannt war, zog man für ihre Erneuerung einen im Schloß- und Festungsbau als erfahren gel¬tenden Italiener heran: Giovanni Bonalino entwarf eine völlig neue Vicrflügelanlage für das künftige Schloß Wilhelmsburg nördlich des bisherigen Zuganges. Übrig blieb von diesem Idealplan ein großer dreiflügeliger Bau, dessen Errichtung der Weimarer Baumeister Jo¬hann Moritz Richter leitete und der sich nun entsprechend neuesten französischen Vorbildern zum Park hin öffnete. Den weiten Innen¬hof umzog der dreiseitige Baukörper, der sich im Erdgeschoß in rustizierten Arkaden öffnete – hier wird deutlich, daß die Anlage als Vorbild für den Gothaer Schloßneubau diente, und in der Tat ent¬stand in Weimar das erste große, italienischen und französischen Barockanregungen folgende Schloß im mitteldeutschen Raum.

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