Weimar 2

Rundgang
Tritt man aus dem Bahnhof – einem neoklassizistischen ästheti¬schen Zweckbau aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg und danach befindet man sich auf einem quergelagerten Vorplatz in der Achse der zur Stadt führenden Allee. Mit dem darauffolgenden, gleichfalls quergelagerten Buchenwaldplatz sowie einem dritten Querraum vor dem einstigen Landesmuseum wird das Gefälle des Geländes gleich¬sam städtebaulich rhythmisiert – freilich in relativ bescheidenen Bauformen. Point de vue und Pendant zum ersten Bahnhof hoch oben über der Stadt ist der große Neorenaissancebau des ehemali¬gen Landesmuseums, 1864-69 nach Plänen des Prager Architekten Josef Zitek errichtet. Nach Kriegsschäden stand es bis 1988/89 als Ruine und mehrfach kurz vor dem Abriß. Ab 1990 erfolgte dann der rasche Neuausbau, und im Januar 1999 konnte es als Neues Muse¬um Weimar eröffnet werden. Mit dem Wiederaufbau und der Re¬staurierung historischer Räume sind auch die großen, von Friedrich Preller d.Ä. geschaffenen Wandbilder der Odyssee in der nach dem Maler benannten Galerie wieder erlebbar geworden. Für die Ausstel¬lung zeitgenössischer Kunst bildet die Sammlung des Kölner Kunst-händlers Paul Maenz den Grundstock. Zusammen mit diesem histo¬rischen Gebäude war als Karl-August-Platz eine Gartenanlage in der Talsenke entstanden. Sie verband die Allee der Bahnhofstraße mit dem ansteigenden Jacobsviertel-Gelände. In dieser interessanten Lö¬sung des 19. Jh. ist die Idee von der repräsentativen >Bahnhofstraße<, wie wir sic aus Gotha kennen und deren in Thüringen wohl vollen¬detster Gestalt wir in Altenburg begegnen werden, unverkennbar. In den 30er Jahren des 20. Jh. ist die geschlossene Anlage allerdings zer¬stört worden: Man begann ein riesiges >Gauforum< für die damalige Landeshauptstadt zu bauen und beseitigte dazu den Garten. Im typi¬schen neoklassizistischen Stil entstand die Hofanlage mit einer Hal¬le als Ostflügel und einem Querbau im Westen – vertrocknet Ba¬rockes scheint fast mitzuschwingen. Die später zerstörte Halle ist in¬zwischen zu einem großen Einkaufszentrum um- und neugestaltet worden. So trennt nach wie vor dieses ganze unglückliche Ensemble den nördlich gelegenen Stadtteil von der Altstadt, und damit bleibt die seit den 40er Jahren des 19. Jh. angelegte Achse zwischen dem- Bahnhof und dem Goetheplatz, deren Dreh- und Angelpunkt das Landesmuseum mit seinen vier Eckkuppeln bildete, verloren.
Die schmale Straße zur Post und Altstadt führt vorbei am spät¬barock-klassizistischen Gebäudekomplex, dem Bertuchhaus. Die¬sen Bau ließ 1780-1803 der Verleger, Schriftstellerund Unternehmer Friedrich Justin Bertuch errichten. Im Verlauf der 23jährigen Bautä¬tigkeit wuchsen die drei einzelnen Häuser zu der einheitlichen fünf-gliedrigen Gruppe zusammen. Im Inneren befindet sich das Stadt¬museum, dessen historische Sammlungen auch Auskünfte über den Erbauer vermitteln. In der Person des großherzoglichen Schatullen¬verwalters Bertuch verband sich ein literarisch künstlerischer Geist mit jenem vorausdenkenden Geschäfts- und Unternehmersinn, der in der Stadt zur Gründung einer Reihe neuer handwerklicher Ein¬richtungen führte. Bertuchs Drang auf Veränderung Weimars unter¬streicht eine Notiz in der 1796 in Leipzig verlegten Schrift >Reise durch Thüringen, den Ober- und Niederrheinischen Kreise »Unter den 11 000 Menschen, welche die Stadt bewohnen, ist bei weitem die größere Zahl eine Rasse von kleinstädtischen Spießbürgern, wel¬chen man weder die Verfeinerung einer Hofstadt noch sonderlichen Wohlstand anmerkt. Alles lebt vom Luxus eines eingeschränkten Hofs, dessen geringer Adel zum Teil arm ist, zum Teil aus gelehrten und schönen Geistern besteht, welche zu philosophisch denken, um des Hofes wegen Aufwand zu machen. Weimar besitzt weder Fabri¬ken noch Handel noch Passage. Zwar hat das Industriecomptoir des Herrn Bertuch den Namen Industrie seit einiger Zeit in Weimar in Gang gebracht, aber dies ist auch das einzige, was hier von Industrie existiert.«
Keine 30 Jahre später jedoch lobt ein 1825 erschienener Weimar- Führer: »Und wohl bis Du es wert, kleines freundliches Weimar, daß Nahe und Ferne zu Dir wallen und gern in Deinen Mauern verwei¬len; zwar sind es nicht Deine stolzen Paläste, nicht prunkvolle Tem¬pel oder ein majestätischer Fluß mit bunten Wimpeln geschmückt, die Alle so mächtig anziehen, denn stolz darfst Du fragen, wo ist das unsterbliche Genie, wo der Mann von einem in Deutschland gefeier¬ten Namen, der nicht auf eine längere oder kürzere Zeit in Weimar einheimisch war?« Aus dem >Dorf<, von dem Mme. de Stael 1882 in Paris noch berichtete, hatte sich die >Wallfahrtsstätte< der Klassik zu entwickeln begonnen!
Unmittelbar hinter dem Bertuch-Haus blühte zu Goethes Zeiten der >Frorieps Gartcn< genannte Park. An seiner Stirnseite erhob sich dann seit 1933 die funktional-ästhetische Baugruppe der Weimar¬halle, die bis 1997 stand. Es scheint, als greife deren Nachfolgebau nun Weimars Rolle des Jahres 1999 auf und versucht nach 66 Jahren auf eigene dunkclgläserne Art zusammen mit der spitzwinkeligen Glasecke an der Straßenkreuzung, was die alte Weimarhalle archi¬tektonisch vorexerziert hatte.

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