Von den Ottonen zu den Wettinern

Mit dem Einzug des Ottonen Heinrich I. in den nordthüringischen Raum begann das sagenumwobene, von dynastischen Verwicklun¬gen und Kämpfen erfüllte hohe Mittelalter. Zweifellos festigte der Sieg über die Ungarn, die bis in den Thüringer Raum vorgedrungen waren, die strategische Bedeutung des Gebietes zwischen Harz und Südrand des Thüringer Beckens. 933 war es gelungen, sie bei Riade, das man auf der Saaleplatte bzw. im nördlichen Vogtland zu suchen hat, zu schlagen. Historisch entscheidend wurde der Erfurter Reichs¬tag von 932, denn hier bestimmte Heinrich I. seinen Sohn Otto (>der Große<) zu seinem Nachfolger. Dieser gründete Magdeburg, das als Ausgangspunkt für die nachfolgenden Bistumsgründungen bis ins slawisch besiedelte Elb- und Havelland hinein diente. Zu Beginn des 11. Jh. zogen in breitem Strom sächsische und thüringische Siedler über die Saale nach Osten. In dieser Zeit gerieten im thüringischen Ausgangsgebiet territorialdynastische Interessen oft genug in Wider¬streit mit denen der kaiserlichen Zentralgewalt. Einer der thüringi¬schen Herrschaftssitze lag in Großjena. Dem dort regierenden Mark¬grafen Ekkehard I., dem »mächtigsten der Thüringer«, wie ihn Thiet- mar von Merseburg beschreibt, und seinen beiden Söhnen Ekkehard und Hermann gelang der Ausbau Naumburgs mit der >Neuen Burg< zum ostthüringischen Machtzentrum, in welches im Verlauf der lan¬gen Auseinandersetzungen mit den aufständischen Slawen auch das Zeitzer Bistum zurückverlegt wurde.
Die nächste für Thüringens Geschichte bedeutende Persönlich¬keit ist Ludwig der Springer. Er stammte aus dem mittelmainischen Herrschergeschlecht der Ludowinger, das sich mit Heinrich IV. ge¬gen aufständische Sachsen durchsetzte, und gilt als der Gründer der Wartburg und der Neuenburg bei Freyburg sowie des Klosters Rein¬hardsbrunn. Die Vormachtstellung gegenüber vielen Grafen und Ter¬ritorialherren vermochte sein Sohn Ludwig ins Hessische auszuwei¬ten und durch den Erwerb der Thüringer Landgrafenwürde noch zu steigern. Den Titel des Landgrafen bestätigte ihm der Reichstag zu Goslar 1131. In dieser Stellung begann er, das thüringische Herr¬schaftsgebiet auch nach außen durch ein Befestigungssystem aus ei¬ner Vielzahl von Burgen auszubauen. Zugleich brachte er Thüringen aber der staufischen Reichspolitik nahe. Das offenbart sich beson¬ders im engen Zusammengehen mit Friedrich I. Barbarossa. Der Ausbau des Kyffhäusermassivs mit einer Pfalz und Burgen bedeutete die Errichtung auch eines Machtsymbols, ganz ähnlich wie es die Niederlassung Barbarossas im Pleißenland und seine erste Erweite¬rung Altcnburgs darstellten.
Freilich wurden solche Zentralisierungstendenzen und ihr oft bru¬tales Durchsetzen – der >eiserne< Ludwig II. ließ den Grafen Ernst von Tonna umbringen, als er seinen eichsfeldischen Raum zu ver¬selbständigen suchte – nicht hingenommen. Dem ludowingischen Kloster Reinhardsbrunn stellten die Grafen von Käfernburg mit dem Kloster Gcorgcnthal ihren eigenen Machtanspruch deutlich sichtbargegenüber. Nur wenige Reste sind von jenen Klosterbauten erhalten, und doch blieb ihre Geschichte lebendig, genau wie die Sage vom Kaiser Rotbart, Friedrich I., dessen Bart nach der Überlieferung Vor¬bild gewesen sein soll für die beiden roten Backsteintürme des Alten¬burger Bergerklosters.
Landgräfliche Oberhoheit und mit ihr verbunden die 1180 an Ludwig III. verliehene sächsische Pfalzgrafenwürde ließen das Stre¬ben nach einer Vormachtstellung der landgräflichen Gewalt immer wieder in Zwist mit den territorialfürstlichen Ansprüchen und nicht zuletzt mit dem Mainzer Erzbischof geraten. Dies prägte die Span¬nungen im Verhältnis zu den fuldischen Gebieten und zu Erfurt, den Stützpfeilern der Mainzer. Die ersten großen Erweiterungen der Ncuenburg hoch über Freyburg auf der Ostseite der Unstrut und der Ausbau der Wartburg fallen in die Zeit des Landgrafen Hermann L, dessen wankelmütige Haltung die kaiserlichen Ambitionen für und um Thüringen nur beflügelte, schlug er sich doch jeweils von einer auf die andere Seite. Mehr an der Kunst interessiert, als machtpoli¬tisch orientiert, schuf er die Grundlage für die Entfaltung der Künste im Thüringischen. Es wurde bereits auf den sagenumwobenen, heu¬te auf der Wartburg romantisch verklärten Landgrafenruhm ange¬spielt. Sicher war die Wartburg einer der ersten großen mittelalterli¬chen Schmelztiegel der Künste, wenn auch nur für wenige Jahre. Hermanns Nachfolger Ludwig IV. erwies sich zu sehr als Realpoliti¬ken, um den Glanz seiner Frau, der heiliggesprochenen Elisabeth, überstrahlen zu können. Immerhin hatte er aber seinem Bruder und Nachfolger, dem späteren deutschen Gegenkönig Heinrich Raspe, durch die Änderung des Erbrechts die Besitznahme der Mark Mei¬ßen ermöglicht. Genau dieses Erbrecht kehrte Heinrich Raspe 1243 um, so daß nach dem Tode dieses letzten Vertreters des ludowingi- schen Herrschergeschlechts der Neffe Ludwigs IV., Heinrich der Er¬lauchte von Meißen aus dem Hause der Wettiner, in Thüringen an die Macht gelangte.
Die Folgen waren zumindest für weite Teile des Landes verhee¬rend, denn nun überzogen handfeste Besitzstreitigkeiten für sechs Jahrzehnte Thüringen. In sie blieben nicht nur die Territorialherren verwickelt, denn diese versuchten vielmehr – voran der Orlamünder Graf Otto -, mit Hilfe der Habsburger die wettinische Herrschaft über Thüringen zu vereiteln. Die mannigfachen Auseinandersetzun¬gen und Interessen vermochte der Reichstag, zu dem Rudolf von Habsburg 1289 nach Erfurt gekommen war, zwar zu beschwichtigen, der >Schacher< um Hegemonie aber – mit Waffen und Geld ausgetra¬gen – ging weiter. Der Stadt Erfurt gelang es, sich in diesem Zusam¬menhang ihre Selbstverwaltungsrechte zu erkaufen. Erst in der Schlacht bei Lucka im Jahre 1307 errangen die Wettiner Friedrich der Freidige und sein Bruder Diezmann die Vormacht über das thü¬ringische Land gegen die königlichen, nassauischen und territorial¬fürstlichen Ansprüche, so daß Kaiser Heinrich VII. die Wettiner 1310 im Vertrag von Prag als Landgrafen von Thüringen anerkannte.

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