Von den Ottonen zu den Wettinern 2

Die eigentlichen Gewinner aber waren die großen Städte, und noch heute erkennen wir in ihnen die Spuren jener Epoche. Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen leisteten den neuen Herren keine Ge¬folgschaft. Vielmehr bauten nun die beiden letztgenannten Städte ihre merkantile und damit politische Eigenständigkeit als Reichs¬städte aus, und auch Erfurt vermochte sich aus der Umklammerung des mainzischen Erzstifts und der Grafen von Gleichen zu lösen, was jedoch nur bis zur Einnahme der Stadt durch den Landgrafen Friedrich den Ernsthaften im Jahre 1335 währte.
Im Südwesten Thüringens wuchs als ein weiteres Zentrum die hennebergische Grafschaft heran. Dies geschah vor allem in Verbin¬dung mit der wittelsbachschen Expansionspolitik nach Norden. Um in das brandcnburgische Interessengebiet zu gelangen, benötigte Ludwig der Bayer eine Durchgangszone; so unterstützte er den Aus¬bau des hennebergischen Terrains im Werra-Tal und der anschlie¬ßenden Schwarzburger Gebiete. Auch die Herrscher aus der reußi- schen Dynastie suchten ihre politischen und territorialen Vorteile aus der Wittelsbacher Umarmung zu ziehen. Beides – die dynasti¬schen Einzelinteressen und die wachsende Macht der Städte – ver- anlaßten Friedrich den Ernsthafen schließlich, nachdem sein Land¬friedensgesetz von 1338 nicht genügend Beachtung gefunden hatte, den Grafen und vor allem der mittelalterlichen Großstadt Erfurt den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Mit der Grafenfehde gewann er – nun mit Unterstützung Erfurts – Obermacht über die im Süden lie¬genden schwarzburgischen Gebiete sowie über die Orlamünder und Weimarer Besitzungen. Was mit dem Schwert nicht zu erreichen war – etwa die Ausbreitung des hennebergischen Territoriums in die Tä¬ler des Thüringer Waldes -, das erzielten nun die Wettiner bis zur Mitte des 14. Jh. durch die Heiratspolitik. Die eigenständige Macht-Stellung der Vögte – vor allem der von Gera und Weida – konnte im Interessenverband mit Kaiser Karl IV. gebrochen werden; im Norden weitete sich die wettinische Einflußsphäre auf Sangerhausen aus, und mit den hessischen Landgrafen kam es 1373 zur friedfertigen Erbverbrüderung.
Diese zielgerichtete wettinische Politik war jedoch nur mit der Er¬richtung strenger Verwaltungsstrukturen möglich. Sie wurden wohl schon von Friedrich dem Ernsthaften vorbereitet und sind dann im Lehnbuch seines Sohnes Friedrich des Strengen von 1349 erstmals faßbar. Die aufwendige wettinische Hofhaltung bedurfte großer Mit¬tel, die sie nur aus Abgaben und Steuern erwirtschaften konnte. Vor¬aussetzung und Folge zugleich waren die nun eingeführten Verwal¬tungsämter und Aufsichtspositionen – das wettinische Thüringen wurde zum ersten Mal bürokratisiert. Damit bestand – aus heutiger Sicht – die Möglichkeit, daß sich ein mittelalterlich-nationaler Staat herausbildete, wie es in Frankreich vonstatten gegangen war. Doch es kam zu Teilungen des wettinischen Länderkomplexes, und es ergab sich schließlich zwischen 1381 – als die meißnischen, osterlän¬dischen und thüringischen Teile eigene dynastische Territorien wur¬den – und 1485 jene Situation, die das Ende des Mittelalters kenn¬zeichnet. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang der Sächsische Bruderkrieg als Auseinandersetzung zwischen den wettinischen Für¬stenhäusern, der weite Landesteile verwüstete. Der Altenburger Prinzenraub im Jahre 1455 – ausgeführt durch den bei Teilungen >zu kurz gekommenem Ritter Kunz von Kaufungen – betraf die beiden Söhne Friedrichs des Sanftmütigen, Ernst und Albrecht, welche dann 1485 in der sogenannten Leipziger Teilung ihre Besitzungen in die ernestinische und albertinische Linie aufgliederten: Danach nahm Albrecht vom Meißnischen Besitz, das sich über den nordthü-ringischen Raum bis nach Langensalza hin erstreckte. Ernestinisch wurden Eisenach und Gotha, das südthüringische Gebiet mit dem fränkischen Coburg, das Weimarer und Altenburger Land zusam¬men mit den westsächsischen Gebieten um Plauen und Zwickau so¬wie Grimma und Torgau.

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