Von Bad Liebenstein nach Vacha

Der Kurort Bad Liebenstein verdankt sein Entstehen den Eisen- und Kochsalzquellen in den tief eingeschnittenen Tälern am Rande des Thüringer Waldes. Der Liebensteiner Herr vom Stein ließ die Quellen zu Beginn des 17. Jh. erstmals fassen. Sein Sitz, die Burg Liebenstein, ist seit dem späten 17. Jh. Ruine. Im frühen 19. Jh. wiederentdeckt, wurden ihr mächtiger, auf unregelmäßigem Grundriß gewachsener Palas und die einstigen Umfassungsmauern gesichert. Diese Restau¬rierung erfolgte zeitgleich mit dem Ausbau des Ortes zu einem Mo¬debad für adlige und andere betuchte Patienten durch die Meininger Herzoge. Seit 1800 entstand so die zunächst klassizistisch geprägte Bäderarchitektur mit Fürstenhaus, Brunnentempel, Kirche und Park. 1860 entwarf der Münchner Ludwig Lange >Haus Feodora< im Schweizer Landhausstil, die Ausmalung besorgte Heinrich Spieß. Bis in die Gegenwart ist Bad Liebenstein dann zu einem großange¬legten Kurort für Herz-Kreislauf-Patienten ausgebaut worden, be¬hielt aber doch viel von seinem ursprünglichen Ambiente.
In den umliegenden Orten gibt es mehrere kleine Schlösser. Etwa 2 km nördlich von Bad Liebenstein liegt die ehemalige Sommerresi¬denz der Meininger Herzoge, Schloß und Park Altenstein. Aus dem mittelalterlichen Burggelände war schon im Barock eine Gartenan- lage mit Schloß entstanden. Dieses baute 1887 Albert Neumeister für Georg II. in prächtiger Neorenaissance völlig neu, Brandschäden von 1982 sind inzwischen äußerlich behoben, das Innere harrt noch der Renovation. Hermann Fürst Pückler und Eduard Petzold gestalteten den Landschaftspark zum wohl beeindruckendsten Thüringens.
Von hier schweift der Blick weit über das Werratal bis zu den Höhen der Rhön und zum davor liegenden Bad Salzungen. Dessen Geschichte reicht weiter zurück als die Liebensteins, denn es gilt als ältestes Solebad – bereits von den hier siedelnden Kelten kreiert und genutzt! Geblieben ist von ihnen außer archäologischen Fundstücken nichts, ebensowenig vom 775 erwähnten karolingischen Krongut und kaum mehr aus der fuldischen, Hersfelder, Henneberger und wettini- schen Herrschaftszeit – bis auf die Salzförderung. Sie führte mit den Bauernaufständen 1525 zu einer ersten Berggenossenschaft der Salz¬knappen, zumindest für einige Zeit. Weil zwei große Brände 1707 und 1786 Salzungen nahezu völlig vernichteten, kennzeichnen heute die Zeit danach und insbesondere die Jahre seit 1990 das Bild des Bade¬ortes rund um den Burgsee: Über ihm bilden auf der Felswand die im Barock komplett erneuerte Stadtkirche, das Rathaus, die »Schnepfen¬burg« – das historische Gerichtsgebäude – und der Haunsche Hof ei¬nen alten Kern. Ein jüngerer entstand 1795 und 1892 rings um das Gradierwerk mit den Kuranlagen. Deren schön restaurierte reiche Fachwerkarchitektur wirkt als besondere Zierde des Kurbades und prägt zusammen mit dem noch aus der Mitte des 19. Jh. stammenden Bahnhofsgebäude sowie dem Solebohrturm von 1868 dessen nördli¬chen Stadtteil. Mittelalterlich die Ruine der Husenkirche und die Wendelkirche jeweils am Stadtrand. Neues und Modernes ist im letz¬ten anderthalb Jahrzehnt geschickt den überkommenen engen Stadt¬räumen hinzugefügt worden, und in gleicher Weise erfuhren die Kur¬anlagen im weiteren Stadtgebiet zahlreiche Ergänzungen.
Vor dem südlichen Hang der Salzungcr Hochfläche liegt das ein¬gemeindete Dorf Wildprechtroda. An der tiefsten Stelle des Ortes steht das Renaissanceschloß. Es war ursprünglich eine Wasserburg; von den Gräben ist heute zwar nichts mehr zu erkennen, doch die isolierte Lage der Bauten läßt die einstige Struktur noch erahnen. Ehemals befand sich hier auch ein kleiner Park. Die zwei architekto¬nisch unterschiedlichen Flügel des Schlosses umfassen einen winzi¬gen Innenhof, aus dem ein flacher Treppenturm herausragt. Wäh¬rend der westliche viergeschossige Schloßflügel schmucklos und von kemenatenartiger Gestalt blieb, zeigt der zweigeschossige Ostflügel Renaissance-Charakter. Er besitzt je zwei Giebel über den Ecken, zwei davon vor den Zwerchhäusern an der Längsseite. In den Volu¬ten der Giebel sind schon barocke Anklänge zu erkennen. Unregel¬mäßiges Quadermauerwerk, aber sorgfältige Eckquaderungen lassen auf einen ursprünglichen Putzbau schließen.
Westwärts tritt nun die Werra ins alte Kali-Abbaugebiet um Tiefen¬ort ein. Inmitten der breiten Talsohle erhebt sich der steile Bergkegel mit der Krayenburg, die als hersfeldische Befestigung die Landschaft weithin beherrschte. Die romanischen Burgruinen der fünfseitigen Festungsanlage haben sich erhalten, ein Teil von ihnen ist in den 20er Jahren für die Gastronomie ausgebaut worden.
Zwischen ausgedienten Bergwerksanlagen und Fördertürmen im Tal und den waldigen Hängen ist Vacha der letzte Ort im oberen Werra-Tal. Die Kelten siedelten hier, nahe den Salzquellen, und ein fränkisches Königsgut wird unterhalb des 627 m hohen Ochsen für das 9. Jh. vermutet. Schon im Mittelalter zerstörten die Hochwasser des Flusses die Brückenbefestigung in dem fuldischen Ort. Mit der Umwehrung der Stadt – drei der Mauertürme haben sich erhalten – und der Burg Wendelstein suchte das Kloster Fulda als Stadtherr sei¬ne Besitzung zu sichern. Im 14. Jh. errichtete man bereits eine erste steinerne Werrabrücke. Schönstes Bauwerk der Stadt ist die >Wide- mark<, der dreigeschossige Fachwerkbau des Rathauses über dem steinernen Renaissance-Unterbau von 1613 am Südende des langge¬streckten Vachaer Marktes. Reiche Schnitzereien schmücken das Haus; sein zu einer Mansarde ausgebautes Dach bekrönte ein barok- ker Dachreiter. Der Name >Widemark< geht auf Caspar Widemarkter zurück, der sich im gesandtschaftlichen Dienst des Kasseler Hofes und als Kommandant von Kassel dieses Wohnhaus bauen ließ und hier 1621 starb. Rot wie die alte Werrabrücke leuchtet auch das klas¬sizistische Steingewand der Kirche neben dem Rcstbau des Schlosses. Beide Gebäude prägen die Stadtsilhouette im breiten Talgrund. 1824 entstand neben dem noch romanischen Turm das heutige Kir¬chenhaus. Vom Servitenkloster vor der Stadt blieb nach dessen Auf¬lassung 1467 lediglich der Chorbau mit spätgotischer Wandmalerei.

Sehen Sie mehr: Halongbay | 2 Wochen Rundreise Vietnam | Kambodscha Reisewarnung | Mekong river cruises reviews

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply