Vom Wenigemarkt zur Dominikanerkirche 2

Unternehmen wir einen kurzen Abstecher zum fast parallel ver¬laufenden breiten Gagarin-Ring, so gelangen wir zum Museum für Thüringer Volkskunde. Es birgt eine der größten ethnographi¬schen Sammlungen des Landes, die den Zeitraum von der Frühge¬schichte bis zum 19. Jh. umfaßt.
Wieder auf den östlichen Teil des Angers stoßend, passiert man die Kaufmannskirche. Sie steht an der Stelle eines mittelalterli¬chen Siedlungskernes mit einem möglicherweise noch älteren Markt. Ende des 19. Jh. ist die zwischen 1291 und 1368 errichtete Basilika erneuert worden. Ihre Ausstattung aber überrascht in der Geschlossenheit der Spätrenaissanceformen, sie ist eine Schöpfung der Bildhauerfamilie Fridemann. Den Hochaltar in mittelalterlicher Schreinform mit reichem Gesprenge, Knorpel- und Beschlagwerk schufen 1625 Hans d. J. und Paul Fridemann, während auf Hans d. Ä. die Kanzel (1598) und der Taufstein (1608) zurückgehen. Eine enge Straßenöffnung seitlich des Postgebäudes leitet nun über zu zwei weiteren bedeutenden Sakralbauten. Hier >zwängt< sich die Straßenbahn durch eine der belebtesten Geschäftsstraßen. Fast ein¬ander gegenüber stehen links der barocke Bau des einstigen Jesui¬tenkollegs von 1737, an dem sich noch ein Portal vom Vorgänger-gebäude aus der Zeit um 1612 befindet, und rechts die Lorenzkirche (36) aus dem 13./14. Jh., die dem innerstädtischen Hauptweg ihre spätere Schaufront zuwendet. Im 1964 restaurierten Innenraum sind zwei schöne Altäre aus der ersten Hälfte des 15. Jh. erhalten; der Schrein mit den Darstellungen der Maria, der Heiligen Katharina und des Laurentius entstand um 1430, der Hochaltar ist eine Lü¬becker Arbeit von 1448.
Am südlichen Gera-Ufer erbauten seit 1221 Franziskanermönche die langgestreckte Basilika der Barfüßerlurche. Nach den Luft¬angriffen auf Erfurt im Jahre 1944 brannte die Kirche nieder, nur der einschiffige Chor aus dem frühen 14. Jh. konnte wiederhergestellt werden. Glücklicherweise wurden die mittelalterlichen Scheiben der Kirchenfenster noch im Zweiten Weltkrieg sichergestellt, so daß man sie wieder im Chor einbauen konnte. Sie berichten aus der Leidens¬geschichte Christi und dem Leben des hl. Franz von Assisi, der den Franziskanerorden begründete. Die Färberzunft besaß eine enge Verbindung zu dieser Kirche: Sie stiftete 1460 ein Kreuzigungstripty¬chon; und der in der Südkapelle aufbewahrte Schlußstein aus dem einstigen Seitenschiff zeigt drei Färber, die in einem großen Kübel rühren. Den gotischen Hochaltar mit Marienkrönung schufen 1445/46 die beiden Bildschnitzer Hans von Schmalkalden und Ja¬cob von Leipzig; Michael Wiespach und ein zweiter Meister aus Göttingen bemalten die Tafeln; eine dekorative Zutat aus dem 19. Jh. ist das Gesprenge. Beachtung verdienen die beiden Grabplatten für Zinna von Vargula und den Weihbischof Albert von Beichlingen von etwa 1370/71.
Nahezu parallel zur Barfüßerkirche steht am nördlichen Ufer die Dominikaner- oder Predigerkirche. In ihr predigte Meister Eck¬hart. In der Tradition Thomas von Aquinos stehend, gehörte er zu den großen Vertretern der Mystik. So wirkte er wohl auch prägend auf das Bild dieser ehemaligen Klosterkirche. Ihr Inneres bietet noch immer einen der beeindruckendsten gotischen Räume. Zwischen 1278 und 1380 entstand die langgestreckte, äußerlich schlichte Basi¬lika. Die schlanken Proportionen der Säulen und ihre Reihung über 15 Joche verleihen dem Raum nicht nur den Eindruck von großer Höhe, sondern auch von immenser Längsausdehnung. Wie ein halt- gebietender Riegel trennt der 1410 eingebaute Lettner das Langhaus vom ebensoweiten Chor. Trotz der Höhenunterschiede von Mittel¬und Seitenschiffen kommt es zu einem hallenartigen Eindruck des durchgehend hellen Raumes. Nachdem das Dominikanerkloster 1588 aufgehoben worden war, nahm die Predigerkirche den Rang der städtischen Hauptkirche ein. Die Konventgebäude wurden in der Barockzeit bis auf den Ostflügel abgetragen. Veränderungen vor allem der Ausgestaltung brachte das frühe 19. Jh. Durch die denk¬malpflegerische Erneuerung nach mittelalterlichen Befunden erhielt das Kircheninnere in den 60er Jahren seine heutige Gestalt. Dabei konnte auch das in die Westwand der Chorschranken eingefügte Bild des Kalvarienberges aus der Zeit um 1350/60 restauriert wer¬den. Gleichfalls an den Schranken befindet sich die wohl parallel zur Darstellung des Kalvarienberges entstandene Madonna, eines der elegantesten Bildwerke des sogenannten >Weichen Stils< in Erfurt, gleichermaßen graziös und realistisch gestaltet. Ähnlich idealisieren¬de Realistik spiegelt auch der Hochaltar, insbesondere in den Ge¬mälden zu Christi Leidensgeschichte, wider.

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