Schmalkalden

Um nach Schmalkalden zu gelangen, verlassen wir in Wernshausen das Werra-Tal ostwärts. Im Schnialkalde-Tal breitet sich eine der wohl schönsten, mit gewissem Vorbehalt thüringisch zu nennenden Städte aus. Erfreut stellt man fest, daß Schmalkalden in seinem hi¬storischen Bestand im wesentlichen erhalten geblieben ist. Seit dem frühen Mittelalter war die Stadt – und ist es noch heute – erster und letzter großer Sammelplatz an der Paßstraße über den Thüringer Wald. Diese Position wurde bereits 874 mit der Bezeichnung der Vil¬la Smalecalta festgeschrieben. Hier lag zugleich der nördlichste Punkt des fränkischen Gebietes. Noch heute scheint sich jene Gren¬ze in der Sprechweise der Menschen nachzuzeichnen, denn die ech¬ten Schmalkaldener bewegen die Zunge anders als die Thüringer. Nicht nur die Betonung ihres Ortsnamens auf dem ersten a – auch das 1 hat hier ganz eigenen Klang mit fränkisch-hessischem Ein¬schlag. Und hessisch war die Stadt seit 1360 – zunächst im Doppel¬besitz mit den Henneberger Grafen, ab 1583 dann rein hessisch. Sie blieb es bis 1866. Darauf wurde sie preußisch.
Die älteste Siedlung lag im Bereich der heutigen Stadtkirche. In den Kämpfen zwischen der kaiserlichen Zentralgewalt Heinrichs IV. und Rudolfs von Schwaben erlitt sie wohl so manche Zerstörung, so daß die im 13. Jh. einziehenden Thüringer Landgrafen im Norden eine neue Siedlung anlegen ließen: die Neustadt um den nahezu quadratischen Neumarkt. Um ihn herum gruppieren sich noch die Unterbauten der ehemaligen landgräflichen Vogtei, auf denen sich heute der Hessenhof erhebt. Im Keller, der in der Erbauungszeit ebenerdig gewesen sein dürfte und erst später in die Kulturschicht aus Bauschutt >einsank< – trifft man auf die ältesten erhaltenen nicht-sakralen Wandmalereien im Thüringer Kunstraum (Kopie auf der Wilhelmsburg, s. S. 299). Die Bildfolge sollte den Angehörigen des Landgrafenhofes, die ja großenteils des Lesens unkundig waren, eine Geschichte um Iwein, den Ritter mit dem Löwen, aus dem Ar¬tus-Roman des Hartmann von der Aue anschaulich machen. Mögli¬cherweise handelte es sich hier um einen Festraum: man bezeichne- te den Ort als Trinkstube. Er ist dann in den Hessenhof, den Stein- und Fachwerkbau der hessischen Stadtherren, einbezogen worden. Damit aber befinden wir uns bereits im 16. Jh. Die beiden mittelalter¬lichen Siedlungskerne hatten sich bis zum 14. Jh. schon zu einem einheitlichen Stadtgefüge verbunden – seit 1315 ummauert – und in die Flußtäler von Schmalkalde, Stille und deren gemeinsamen Wei¬terfluß ausgedehnt.
Ein Zeugnis dieses Stadtausbaus stellt der Henneberger Hof im sogenannten Pfaffenviertel an der Pfaffengasse dar. Hier, unterhalb des Klosters, lag das geistliche Zentrum Alt-Schmalkaldens. Der hohe Kemenatenbau mit seinen Treppengicbeln dürfte im 13. Jh. als wehrhafte Anlage entstanden sein. In die gleiche Zeit reicht die Gro¬ße Kemenate an der Weidebrunner Gasse zurück, die später aller¬dings umgebaut wurde.
Der Altmarkt bietet ein einziges historisches Panorama. An seiner Nordseite steht die spätgotische Georgenkirche, deren Bau 1437 mit dem Chor begonnen und 1570 mit den Türmen vollendet wurde, wo¬bei der Südturm noch Teile der ersten romanischen Kirche birgt. An der Südseite des Chores ist ein Portrait-Kopf verewigt; in ihm vermu¬tet man das Bildnis des Baumeisters Jörg Meier. Den Innenraum prä¬gen die schönen Netzgewölbe und moderne Glasfenster von Carl Crodel. Das Rathaus an der Westseite ging aus dem spätmittelalter¬lichen Kemenatenbau hervor, der seine Trauffront mit dem großen Segmentbogenfenster vor dem Audienzsaal dem Platz zuwendet; südwärts schließt sich der historisierende Rathausneubau von 1901-03 an. Während die Südseite des Platzes in unserer Zeit neu gestaltet wurde, öffnen sich auf der Ostseite zwischen den schönen Fachwerkhäusern und dem hohen Giebelbau der spätgotischen To- denwarthschen Kemenate aus dem frühen 16. Jh. historische Gas¬sen. Eine ganze Reihe alter Fachwerkbauten des 16. /17. Jh. umgibt die Stadtkirche nördlich vor dem anschließend völlig erneuerten Stadtviertel. Die Mohrengasse führt über den kleinen Platz um die Saizbrüeke – gleichfalls von reizvollen Fachwerkhäusern und zum Teil auch von Bauten aus dem 19. und frühen 20. Jh. umgeben – in die Steingasse. Hier blieb mit dem Gebäude der Rosenapotheke ein weiterer und ursprünglich wehrhafter Kemenatenbau aus dem 15. Jh. erhalten, der im 16. Jh. durch die Einbauten großer Fenster und Tore verändert wurde. Den folgenden Lutherplatz beherrschen drei große Fachwerkhäuser. Ihre Giebel in hessischem Fachwerk mit vorkragenden Geschossen und einer kraftvollen Rähme-Kon-struktion (horizontaler Abschluß des Fachwerks), welche die Verti- kalität ausgleicht, gruppieren sich eindrücklich nebeneinander. Das mittlere der drei versetzt stehenden Häuser diente dem Reformator Martin Luther im Jahre 1537 als Logis, als er während der Zusam¬menkunft des Schmalkaldischen Bundes in der Stadt weilte. Im In¬neren haben sich später ausgestaltete Wohnräume und der Treppen¬aufgang in ihrer historischen Form erhalten.

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