Schmalkalden 2

Unmittelbar am Luther-Haus führt die steile Schloßgasse hinauf zur Wilhelmsburg. Auf dem Hügel über den drei zusammentreffen¬den Tälern und hoch über den Dächern war sie seit 1585 Sitz der hessischen Stadtherren. Wilhelm IV. von Hessen hatte die alte Burg und eine benachbarte Stiftskirche abreißen lassen, um hier genau wie im fuldischen Rotenburg und in Kassel einen Schloßneubau zu errichten. Man weiß aus den Überlieferungen um den Kunstsinn des Landgrafen, und so dürfte er unmittelbar Einfluß auf das Baugesche¬hen genommen haben. Die Leitung lag in den Händen des Baumei¬sters Christoph Müller und seines Sohnes Hans. Sie schufen den Vierflügelbau, der sich um den quadratischen Hof gruppiert. Schon 1586, ein Jahr nach Baubeginn, war die Innenausgestaltung im Gan¬ge, wozu man den holländischen Stukkateur Wilhelm Vernucken und die Maler Jost vom Hoff und Caspar van der Borcht, Georg von Ypern, Georg Kronhard und andere Meister aus Kassel nach Schmalkalden geholt hatte. Mit der Restaurierung des gesamten Bauwerks seit 1963 konnte der plastische und malerische Bildreich¬tum des Schloßinneren zurückgewonnen werden. Prachtvoll und zart zugleich erscheinen Stuckverzierung und Bemalung der sich über drei Geschosse des Südflügels erstreckenden Schloßkapelle. Neben den entsprechenden Bauten in Stuttgart (Altes Schloß), Tor¬gau und Augustusburg in Sachsen gehört sie zu den bedeutendsten Raumschöpfungen des protestantischen Kirchenbaus der Renais¬sance. Erstmalig wurden hier Altar, Kanzel und Orgel übereinander angeordnet. Die Orgel ist das älteste in Thüringen erhaltene Instru¬ment. Den niedrigen Riesensaal überspannt eine große farbige Kas¬settendecke, den Weißen Saal schmücken wiederum feingliedrige Renaissance-Stukkaturen. In anderen Schloßräumen findet man zum Teil erhaltene, zum Teil restaurierte und rekonstruierte Tür- und Fensterummalungen.
Das Museum der Wilhelmsburg bietet interessante Dauerausstel¬lungen, darunter auch einen Überblick zur Geschichte der Schmal- kaldener Kleineisenfertigung, für welche der spätmittelalterliche Bergbau die Grundlage geschaffen hatte. Im 17. Jh. entstanden rings um das Schloß Terrassengärten, die wie das Tor, Brau- und Backhaus inzwischen restauriert wurden. Erneuert werden auch die Kasemat¬ten der Pfalz unter dem Schloß und das Marstallgebäude aus dem 17. Jh. >An der Hoffnung< nahe dem Marstall steht der Pulverturm, Bastion der Stadtbefestigung des 14. Jh.
Ein interessantes Baudenkmal zur Technik-Geschichte ist die Neue Hütte, die an der Straße nach Waltershausen 1835 neben dem alten Hammerwerk von 1656 errichtet wurde. Auf die frühe Bedeu¬tung Schmalkaldens als Herstellungsort für Handwerksgerät wurde zuvor verwiesen. Aus der frühindustricllen Entwicklungsphase die¬ser auch heute das Profil der Stadt prägenden Werkzeugfertigung blieb hier ein nahezu komplettes Werksgelände bestehen. Die Fach¬werkarchitektur der >Happelshütte<, wie das Werk nach dem Grün¬der des alten Hammerwerkes auch genannt wird, umschließt einen 12 m hohen Holzkohle-Hochofen. In dem klassizistisch geprägten Bauwerk mit hohem Mittelaufbau ist ein Technisches Museum ein-gerichtet, das mit Kunstgraben, Wasserrad und Zylindergebläse so¬wie dem Hüttenmeisterhaus und anderen historischen Gebäuden seine Abrundung erfährt.

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