Rundgang

Nur der östliche Teil des Stadtkerns gibt noch einen Eindruck von der mittelalterlichen Enge. Die wiederum erfährt eine gewisse Be¬kräftigung durch die zahlreichen großen Geschäfts- und Wohnbau¬ten, welche im 19. und frühen 20. Jh. in die engen Gassen gedrängt wurden. Zwischen ihnen muß man die alten, kleinen Gebäude su¬chen. Hervor treten jedoch die beiden städtischen Hauptbauten des alten Stadtkerns: die Michaeliskirche und das Rathaus. Mit dem Bau des Rathauses begann man gegen 1380, zu einer Zeit also, da sich die Stadt unter der mittlerweile ein halbes Jahrhundert währen¬den wettinischen Herrschaft wirtschaftlich konsolidierte. Das Ge¬bäude besteht im Grunde aus zwei aneinandergestellten Einzelhäu¬sern, von denen jedes ein hohes Walmdach über seinen zwei Ge-schossen trägt. Im Obergeschoß ist die Zwischenwand von drei ho¬hen Arkadenöffnungen durchbrochen, so daß die riesige Diele als einziger großer Saal erscheint, in dem nur die Unterzüge für die schweren Balkendecken auf gedrehten schlanken Säulen ruhen. Die unteren Hallen öffneten sich ursprünglich in spitzen Bogen zu den Längsseiten des Marktes. Von Schmuck und Architekturzier ist nach Umbauten ebensowenig übriggeblieben wie vom einstigen Zinnen¬kranz. Dafür erhielt der Bau im 18. Jh. den Uhrturm und den >Schnapphans<, eines der >Sieben Wunder Jenas<. Dieses auf das spä¬te 15. Jh. zurückgehende Figurenspiel bekam seinen Namen nach der Figur des Hans von Jene. Sein Mund schnappt stündlich nach ei¬ner Kugel, die ihm eine Pilgerfigur vorhält, und dann schlägt ein En¬gel die Glocke.
Mitten auf dem Markt steht der >Hanfried<, wie der Volks¬mund das Standbild des Universitätsgründers und Kurfürsten Jo¬hann Friedrich des Großmütigen der Einfachheit halber nennt. Jo¬hann Friedrich Drake schuf 1858 das stolze bronzene Bildwerk. Ihm vis-ä-vis das Haus >Zur Sonne<, der legendäre Jenaer Gasthof, später Universitäts-Schankhaus, der mit seinen ältesten Bauteilen noch ins 15. Jh. zurückreicht. >Background< des kurfürstlichen Ab-bildes ist das Stadtmuseum, richtiger das Fachwerkhaus der >Göhre<. In seinem Grundgeschoß noch älter als die >Sonne<, ent¬stand das später mit dem schönen Fachwerkaufbau versehene Haus für die Marktmühle am Leutrabach, der im 16. Jh. an dieser Stelle noch mitten durch die Stadt floß.
An der östlich vom Markt in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Oberlauengasse versteckt sich das alte Weinbauernhaus >Im Sack< von 1596; das Gasthaus >Zur Noll< dicht dabei entstand un¬gefähr gleichzeitig. Wenig weiter trifft man an der Saalstraße auf ba¬rocke und Rokokofassaden und die >Neue Göhre< von 1908, zum Stadtmuseum gehörig. Gekeltert und gebraut wurde in allen mittelal¬terlichen Städten, doch in Jena besonders – sogar das Wappen trägt die Traube! Das führt uns in die enge Jenergasse, wo das Weinmotiv neben der Jahreszahl 1664 den >Grünen Hirsch< schmückt. Erst der Reblausbefall im 19. Jh. machte dem Weinbau im Saale-Tal um Jena den Garaus, und danach verdrängte die Industrie jeden Neuversuch. Schon seit dem ausgehenden Mittelalter hatten aber in der Stadt die Weinbauern zugleich die Schank- und Trinktradition begründet. Die >jenensischste< solcher Schankstätten dürfte sich mit der >Rose< an der Johannisstraße erhalten haben. Seit 1561 steht sie in direkter Verbindung mit der Universität: Lehrer und Studenten hatten vom Landesherrn die Einhaltung seiner Zusage gefordert, genau wie in Heidelberg, Erfurt und Wittenberg auch in Jena ein Bier- und Wein¬haus einzurichten! Für das stiftete 1638 der Universitätsrektor Cas¬par Sagittarius sogar die Hausmarke. Zusammen mit späteren Ver¬änderungen kamen rückwärtig die Rosensäle hinzu – Jenas erstes Konzerthaus, in dem auch Max Reger dirigiert hat. Unweit von hier am Fürstengraben steht die Wucherey, Mitte des 18. Jh. als Stu¬dentenburse von der Familie Wucherer eingerichtet. Seit 1861 dien-te sie der Universität bis zu deren Neubau als Hauptgebäude.
Für geistlichen Segen sorgt die nahe Michaeliskirche. Ihr gin¬gen zwei romanische Vorgängerbauten voran. Von diesen gehörte ei¬ner zum Kloster der Zisterzienserinnen, das sich nördlich anschloß. Nachdem das Rathaus fertiggcstcllt war, ließ der Rat etwa 1390 den Neubau der Kirche in Gestalt der spätgotischen Halle beginnen. Ein halbes Jahrhundert baute man am Chor, seiner Einwölbung und an der Südwand des Langhauses. Zwischen 1442 und 1474 herrschte Bauruhe. Für die Folgezeit ist ein Meister namens Peter Heierliß nachgewiesen, der den Turmbau in Angriff nahm und die Kirche bis 1506 fertigstellte. Den hochaufstrebenden Achteckturm über den beiden quadratischen Untergeschossen vollendete man erst 1556 – ein Jahr vor der Universitätsgründung. Die gesamte Südseite der Kir¬che wurde mit reicher Dekoration, vor allem um das Doppelportal, zu einer repräsentativen Schaufront gestaltet. Die dem Markt abge¬wandten Seiten blieben weitgehend schmucklos. Eine Einmaligkeit Jenas stellt der Durchgang unter dem Chor dar. Er führte im Mittel- alter zum Kloster nördlich der Kirche, was auf eine sehr dichte Be¬bauung in diesem Stadtteil hindeutet. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Michaeliskirche wie der gesamte Stadtkern schwere Schäden. Der Turm wird derzeit restauriert; über dem Kirchenhaus wurde das zer¬störte barocke Dach wieder durch ein dem mittelalterlichen ähnli¬ches ersetzt und die reiche spätgotische Wölbung etwas vereinfacht rekonstruiert. Von den Kunstwerken im Inneren ist der Angelus Je- nensis besonders bemerkenswert. Dieses hölzerne Standbild des Erz- ngels Michael entstand in der ersten Hälfte des 13. Jh. in einer Bam- berger Bildschnitzerwerkstatt. Die Grabplatte Martin Luthers, 1549 vom Erfurter Glockengießer Heinrich Ziegler in Bronze gefertigt, war ursprünglich zur Aufstellung in Wittenberg bestimmt. Sie ver¬blieb aber in Jena, und eine Kopie gelangte nach Wittenberg.

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