Rudolstadt und Großkochberg

Nach kurzer Fahrt zurück ins Saale-Tal, vorbei an der Industrie Schwarzas, begleitet uns die urbanisierte Flußlandschaft bis hinein nach Rudolstadt. Davor noch liegt Volkstedt. Dort fertigt die Porzel¬lanmanufaktur seit 1762 ihre kleinen Figuren – später oftmals als >Nippes< degradiert, nie jedoch ihres intimen Reizes verlustig gegan-gen (s. Abb. Umschlagrückseite).
Hoch über Rudolstadt, auf dem Sporn zwischen Saale- und Rem¬da-Tal, steht Schloß Hcidecksburg. Einer Krone gleich überragt sein barocker Turm die langgestreckten Schloßflügel und die ganze Stadt. Von hier aus regierte die Fürstenlinie Schwarzburg-Rudolstadt ihr kleines Territorium. Die noblen Wohnstraßen der Residenz führen bis ins relativ enge historische Zentrum um den Marktplatz, das sich an den Schloßhang schmiegt.
An der Grenze zum slawisch besiedelten Gebiet der Saaleplatte gelegen, besaß der Platz schon im frühen Mittelalter Bedeutung. Hier standen zwei Burgen: eine untere neben der Stadtkirche, wo sich heute das Schloß Ludwigsburg befindet, und eine obere, an de-ren Stelle sich Schloß Heidecksburg erhebt. Nach dem Brand der al¬ten Heidecksburg erbaute man 1735 Schloß Ludwigsburg als städti¬sches Fürstenpalais östlich des Burgberges. Der große Dreiflügelbau zeigt eine karge Barockform – parallel zu seiner Fertigstellung be¬gann der barocke Neuausbau der Heidecksburg. Benachbart steht die Stadtkirche, eine spätgotische Halle. Bei dem durchgreifenden Umbau 1634-36 erhielt ihr Inneres neue, höher liegende Gewölbe mit neuen Stützen – es wurde komplett zu einem Renaissance-Raum ausgestaltet. Beschlag- und Rollwerkmalereien überziehen Wände und Chorbogen, gemalte Äderungen an den Pfeilern täuschen Mar¬mor vor. Ins Plastische übertragen erscheint diese Dekoration auch auf dem hohen Fürstenstuhl, auf Kanzel, Altar und Orgel. Knorpel- und Ohrmuschelwerk sind gleichfalls von überraschender Buntheit. Die Wiederherstellung dieses faszinierenden Raumbildes ist den denkmalpflegerischen Bemühungen von 1965-70 zu danken.
An der Kirchgasse folgt das Alte Rathaus aus dem 16. und 18. Jh. und an der Marktecke das Neue Ratsgebäude, dessen dreigeschossi¬ger Renaissance-Körper 1912 den hohen Verbindungsbau zu den be¬nachbarten Häusern erhielt. Als ein Akzent in der Platzfront er¬scheint der zweigeschossige Erker.
Die Südwestecke des historischen Stadtkerns markiert das spätba¬rocke Intendanzgebäude. Friedrich von Schillers >Rudolstädter Sommer< 1788 und seinen späteren Aufenthalten sind die Gedenk¬stätten im Wohnhaus seiner späteren Frau Charlotte von Lcngefeld an der Schillerstraße, im Gasthof >Zur Güldenen Gabeh, im alten Heißenhof sowie im Pfarrhaus Volkstedt gewidmet. In der einstigen Glockengießerei an der Jenaischen Straße habe der Dichter – so die Erzählung – die Eindrücke für sein Poem »Die Glocke« gewonnen.
Will man die ausgedehnte Auffahrt des Schlosses Heidecksburg vermeiden, wähle man den Weg aus der Stadt direkt über die >Lange Treppe<, an der Alten Wache vorbei und, ganz ähnlich wie auf der Veste Coburg, durch einen Tunnel unter dem Südflügel hindurch mitten in den Schloßhof. Als langgestrecktes Rechteck angelegt, geht er-durch Balustraden, Pferdeschwemme und Brunnen rhythmisiert – in den Schloßgarten über. In dessen Mitte steht das barocke >Schallhaus<. Nachdem das dreiflügelige Renaissanceschloß abge¬brannt war, entstand seit 1735 die heutige Anlage. Ihr langgestreck¬ter Südflügel barg die höfischen Wohnungen, im Westflügel befinden sich die eigentlichen Fest- und Repräsentationsräume, die sich bis in den kurzen abgewinkelten Nordflügel erstrecken. Die nördliche Hofseite flankieren das Marstallgebäude und die etwas zurücktreten- dc Reithalle, an die sich der Horentempel anschließt. Die Pläne für den Neubau stammten von Johann Christoph Knöffel aus Dresden. Die Gestaltung der Festsäle übernahm 1743 Gottfried Heinrich Krohne. Im Gegensatz zur strengen äußeren Architekturordnung der Bauten Knöffels verlieh Krohne den Räumen beschwingt heiteren Rokoko-Charakter und Bewegtheit. Die Bereiche des Fürsten gestal¬tete er in Rot, die der Fürstin in Grün. Während der Turmaulbau 1744 vollendet war, zogen sich die Ausbauarbeiten im Inneren noch bis in die 70er Jahre des 18. Jh. hin. Unter den Händen des Mailän¬der Meisters Johann Baptist Petrozzi entstanden die Stukkaturen. Eine große Zahl ausländischer und heimischer Handwerker wirkte beim Bau und dessen Ausgestaltung bis nach 1800 mit. Der Dresd¬ner Architekt Christian Friedrich Schuricht hatte kurz zuvor den klassizistischen Horentempel vollendet. Nach 1900 schließlich ver¬längerte man noch den Südflügel.

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