Reformation und Dreißigjähriger Krieg

Friedrich der Weise, Sohn des Kurfürsten Ernst und seit 1486 sein Nachfolger, wirkte von der sächsischen Kurstadt Wittenberg aus. Mit der Leipziger Teilung war ihm die junge Messestadt und damit ein bedeutendes merkantiles und vor allem geistiges Zentrum mit der Universität entglitten. Um seinen Besitzanspruch zu untermauern, gründete er nun hier in Wittenberg 1502 eine eigene Universität und sicherte sich durch diesen Akt weitreichende Anerkennung. Auch mit Blick auf die seit 1392 als städtische Gründung bestehende Er¬furter Universität sollte etwas Innovatives geschaffen und ein lan¬desherrliches Gegenstück zu jener geboten werden. Die Wittenber-ger Neugründung geschah gleichsam >auf unverbrauchtem Boden<, und sie entwickelte sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem Betäti¬gungsfeld bedeutender Größen der neu angebrochenen Renaissance. Nach seinen Erfurter Studien und der dort erhaltenen Priesterweihe kam Martin Luther als Professor nach Wittenberg; auch der Histori¬ker Marschalk und Philipp Melanchthon lehrten hier. Wittenberg, Torgau und Weimar – bereits seit 1382 wettinische Residenz, jetzt er- nestinisch – bildeten Eckpunkte des Territoriums. Friedrich ließ in den drei Städten mit dem Bau großer Renaissanceschlösser begin¬nen, von denen allerdings nur das Torgauer seine Vollendung fand.
Während die geistigen Spannungen jener Epoche zunächst an den Orten der kirchlichen Machtkonzentration und der Universitäten ih¬ren Ausdruck fanden, griffen die großen sozialen Auseinanderset¬zungen, welche sich durch die zahllosen dynastischen Differenzen noch intensivierten, aus dem südwestdeutschen Raum auch auf die wettinischen Thüringer Lande über. Die Flammen der Bauernauf¬stände schlugen aus dem Schwäbischen das Werra-Tal entlang und entzündeten im agrarisch geprägten Thüringer Becken einen gewal¬tigen Brand. Die zweite auf Veränderung drängende Bewegung er¬wuchs im Stadtbürgertum. Dessen Streben nach Eigenständigkeit und Befreiung von fürstlicher Bevormundung begleitete die Aufstän¬de wie die reformatorischen Forderungen. Martin Luthers Aufrufe hatten von Wittenberg her vor allem bei den Bürgern – aber auch bei Teilen des Adels – Aufnahme gefunden. Georg Spalatin predigte die neue Lehre in Altenburg, Friedrich Myconius in Gotha und Johan¬nes Lang in Erfurt. Der aus Allstedt hinzugekommene Thomas Müntzer aber verlieh 1524 den radikalen Forderungen der Bauern vor allem in Mühlhausen, wo Heinrich Pfeiffer schon die Abschaf¬fung der katholischen Lehre verkündet hatte, seine >handfeste< Spra¬che. Den Bauernaufstand vermochte das Fürstenbündnis noch zu unterdrücken, der Glaube Luthers und die Reformation aber erfa߬ten ganz Thüringen.
In der Ausbreitung der reformatorischen Lehre sah Kaiser Karl V. die Veranlassung, sich gegen die protestantischen Länder zu wen¬den. Um dieser Bedrohung entgegenzutreten, trafen Kurfürst Johann der Beständige und der hessische Landgraf Philipp der Großmütige mit anderen norddeutschen Fürsten und den Vertretern der großen Städte Bremen und Magdeburg in Schmalkalden zusammen. Am 31. Dezember 1530 schufen sie hier den Schmalkaldischen Bund als eine Schutzvereinigung gegen die kaiserlichen Machtinteressen und für die protestantische Lehre.
Obgleich dem Pakt 1536 die protestantischen Länder Württem¬berg, Anhalt und Pommern sowie die Städte Hamburg, Hannover, Frankfurt/Main und Augsburg und zwei Jahre später auch Däne¬mark beitraten, verlor das Bündnis aufgrund der machtstrategischen Einzelinteressen der Partner an Stärke. Die Unentschlosenheit der Parteien führte schließlich auch zur Niederlage im Schmalkaldi¬schen Krieg. Die Gefangenen des Kaisers, der sächsische Kurfürst Jo¬hann Friedrich und der Landgraf von Hessen, symbolisieren zwar den verlorenen Krieg, nicht aber den Verlust des protestantischen Glaubens in den wettinischen Landen. Mit der Wittenberger Kapitu¬lation vor den kaiserlich-spanischen Truppen des Herzogs Alba än¬derten sich auch die thüringischen Territorialstrukturen, und es ent¬standen die ernestinischen Herzogtümer Sachsen-Weimar (1547), Sachsen-Gotha (1564) – ab 1572 Sachsen-Coburg-Gotha -, Sach¬sen-Eisenach (1572) und Sachsen-Altenburg (1603), während die albertinischen und anderen wettinischen Landesteile sächsisch¬kurfürstlich regiert wurden.
Was sich seit dem ausgehenden 16. Jh. in wechselnden dynasti¬schen Verbindungen, Bündnissen und Teilungen verstärkt abzeich¬nete, das brachte der Dreißigjährige Krieg mit all seinen politischen Wirren zur Vollendung. Die zahlreichen Kriegszüge der Söldnerhau¬fen, Belagerungen, Städteverwüstungen, Brandschatzungen von Dörfern und andererseits hektischer Festungs- und Versorgungswe¬gebau verhinderten jede Staatenfestigung und Formierung gesell¬schaftlicher Strukturen. Auch der Adel hatte seine Ambitionen in dieser Richtung verloren.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging das absolutistische Erneu¬erungsstreben in Thüringen von drei Punkten aus: von Gotha, Alten¬burg und Weimar. Vor allem Ernst der Fromme von Gotha trug ent-scheidend zur Ausprägung einer neuen kameralistischen Staats- und Lebensform bei, die getragen war von seiner zwiespältigen Lebens¬auffassung. Er war ein frommer, ja eifriger Protestant und doch ohne Ressentiments gegenüber der katholischen Lehre, deren Priester er in seinem Land sogar fördern ließ. Auf die theologische Lehre einer¬seits, auf die an den Universitäten von Wittenberg und Jena gelehrten neuen pädagogischen Prinzipien andererseits gestützt, baute er ein durchorganisiertes Schulsystem auf, das er höchstpersönlich mit Strenge überwachte. Er gründete das Gothaer Gymnasium und för¬derte die Jenenser Universität. Vor allem aber entsprang seinen In¬tentionen nun eine Hierarchie von Behörden und Beamten, welche die Wirtschafts- und Staatsgeschäfte wahrnehmen und kontrollieren sollten. Gotha entwickelte sich so unter Ernst dem Frommen zu ei¬nem calvinistisch geprägten Mittelpunkt in Thüringen. Das sollte nicht zuletzt der gewaltige Neubau des Renaissanceschlosses unter¬streichen, dessen Gestalt seine Funktion als Fürstenresidenz und Regierungssitz zugleich reflektiert.
Nicht nur die Reformation, auch die Gegenreformation ergriff von Thüringen Besitz. Das mainzische Erfurt geriet dabei besonders zwi¬schen die geistigen und schließlich auch die kriegerischen Fronten. 1664 eroberten die erzbischöflichen und französischen Truppen die Stadt, die sich indes ihre Religionsfreiheit zu bewahren wußte. Schon seit den 70er Jahren des 16. Jh. hatte im Eichsfeld mit territo¬rialherrlicher Unterstützung die Rekatholisierung vor allem der ländlichen Gemeinden eingesetzt. Ein starkes Glaubenszentrum bil¬dete dabei das Heiligenstädter Jesuitenkolleg. Von ihm gingen auch in den Folgezeiten immer wieder entscheidende Impulse für die kir¬chenbauliche und künstlerische barocke Vielfalt in dieser Land¬schaft aus.

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