Nordhausen 2

  • Sicher hängt mit diesem Brand die Anlage der planmäßigen mit¬telalterlichen Stadt um den Markt zusammen. Ein erstes Rathaus wurde später durch den Renaissancebau ersetzt, der noch im wieder¬aufgebauten heutigen Gebäude nachvollziehbar ist. Die ehemals be¬nachbarte Nikolaikirche ist nicht mehr vorhanden. Kornmarkt und Holzmarkt – im Bereich der heutigen Post – markierten diesen mit¬telalterlichen Stadtkern. Im 12. Jh. weilten die Staufer-Kaiser mehr¬fach in Nordhausen, für 1144 ist ein Besuch Konrads IV. verzeich¬net, Friedrich I. Barbarossa hielt 1174 und 1188 hier hof; Heinrich VI. war 1192 und Friedrich II. 1219 in der Stadt. Mit dem Nieder¬gang der kaiserlichen Zentralgewalt verselbständigten sich ähnlich wie in Mühlhausen auch in Nordhausen die kaiserliche Beamten¬schaft und das Patriziat. Letzteres gewann um die Mitte des 13. Jh. endgültig die Oberhand. Zugleich erfolgte die Befestigung des nun schon großen Stadtraumes zwischen dem nordwestlich gelegenen und noch immer relativ eigenständigen Domviertel mit den alten Herrenhöfen sowie der Frauenbcrgsiedlung im Südosten, dem nörd¬lich der Blasiikirche situierten Altstadtraum und der Neustadt, die sich vor der südwestlichen Mauer im Tal entwickelte. Zur Neustadt führten Treppen hinab. Teile der Stadtmauer haben sich an der ge¬samten Westseite des Stadtkerns, im Süden zwischen Frauenberg¬siedlung und Altstadtgebiet und im Norden um das einstige Franzis¬kanerkloster erhalten. Hier – zwischen Dom und Blasiikirche – trifft man an der Barfüßergasse auf die einzigen noch bestehenden alt¬städtischen Bauten aus dem späten Mittelalter; besonders beach¬tenswert darunter ist die >FIohburg< (Nr. 6) aus der Zeit um 1500. Zwischen Domstraße und Stadtmauer steht am alten Burgort die >Finkenburg<, gleichfalls ein vorzüglicher Fachwerkbau und ein Jahrhundert älter als der eben genannte, allerdings 1927 erneuert.

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  • Noch wirklich mittelalterliches Fluidum umfängt den Besucher beim Betreten des Domhofes. Die beiden schlanken Osttürme der Kirche gehen in ihren Unterbauten auf den Bau des 12. Jh. zurück. Von ihm ist auch die dreischiffige Ktypta bestehengeblieben, ein ei¬genartig schwerer Raum, dessen kräftige Gewölbe auf gedrückten, kurzen Säulen mit massigen Basen und wuchtigen Schildkapitellen ruhen. Der frühgotische Chor darüber weist mit den Maulbronner Detailformen den zeitlichen Abstand zu Krypta und Turmunterge¬schossen aus; er wurde 1267 geweiht. Sein Bau markiert zugleich die Umwandlung der Damenstiftskirche in ein Chorherrenstift. Die Monumentalplastiken der Stiftsgründer und Förderer wurden um die Mitte des 13. Jh. in den Chor eingebracht, angeregt sicher durch das Naumburger Vorbild. Sie stehen auf originell figurierten Konso¬len. Um die Mitte des 14. Jh. begann der Neubau der hohen Lang¬haushalle. Über ihren gebündelten und gekehlten Säulen verweisen die Sterngewölbe der beiden westlichen Joche auf eine Entstehungs¬zeit um den Beginn des 16. Jh. Vollendet wurde die Wölbung sogar erst im 19. Jh., bis dahin hatte eine Holzdecke den Raum abgeschlossen. Aus den letzten Jahren des 14. Jh. stammt das Chorgestühl. An seinen reich geschnitzten Wangen finden sich biblische Darstellungen; neben dekorativen Pflanzenmotiven kann man ebenfalls Stifter-bildnisse erkennen. Die schweren Schäden des Zweiten Weltkrieges sind heute nicht mehr sichtbar. Der mittelalterliche Raum findet im großen Barockaltar zwischen dem hohen Gestühl im Chor gleich¬sam einen feierlichen Höhepunkt. Auch der Kreuzgang ist nach Kriegsschädigungen wiederhergestellt und gibt in seinen hohen Ar¬kadengängen an Säulen, Kapitell- und Bogenformen die unter-schiedlichen historischen Bauphasen zu erkennen.
    Die Türme an der Blasiikirche entstammen noch der Romanik und was nur wenige Städte auszeichnet: In Nordhausen gibt es zwei schiefe Türme. Ihre beiden Achteckaufbauten haben sich schon vor langer Zeit einander zugeneigt. An die nur zweijochige, kurze und dafür recht breite Halle aus der Zeit um 1490 schließen der niedrige¬re Querbau und der Chor an. Ein Schlußstein im Chorgewölbe trägt die Jahreszahl 1489. Auch an der Blasiikirche konnten die Kriegs¬schäden behoben werden, und mit den Renovierungsarbeiten wur¬den die Chorfenster modern verglast. Erhalten geblieben ist sogar die schöne Spätrenaissance-Kanzel von 1592.
    Der Bau der romanischen Zisterzienserinnen-Klosterkirche in der alten südöstlichen Vorstadt – die daher die Bezeichnung Frauen¬berg trägt – wurde noch vor 1200 als dreischiffigc Pfeilerbasilika be¬gonnen. Nach der Kriegszerstörung blieben von der später barocki- sierten Kirche nur der Ostteil des Chores mit Apsis und Querhaus er-halten. Mit der Restaurierung der Ruine und ihrem Ausbau in den 1960er Jahren erneuerte man auch die Wölbung.
    Auf die mittelalterliche Tradition und die Gestalten der Nordhäu¬ser Kirchentürme nimmt eine der Fabrikantenvillen aus dem 19. Jh. sichtbar Bezug. Sie steht an der Meyenburg-Straße und birgt heute das Meyenburg-Museum. Dieses informiert über die Geschichte der Region um Nordhausen von der Frühzeit bis an die Schwelle unserer Gegenwart. Das Haus aus der Zeit nach dem Jugendstil, mit Turm und schwungvollem Giebel über der Zugangsseite, ist zugleich ein Stück Geschichte Nordhausens. Der Architekt Ferdinand Ehlen er¬baute es im Jahre 1908. Als eines der zahlreichen Villengebäude, die während der Blütezeit der Stadt seit dem ausgehenden 19. Jh. ent¬standen, bildet es ein kunsthistorisches Pendant zur Industrieent¬wicklung Nordhausens mit den großen Unternehmen für Bergbau- und Schachtausrüstungen und dem schon erwähnten Maschinen¬bau. In eben diesen Jahren, 1897-99, wurde die Harzquerbahn in Betrieb genommen, eine Meterspur-Strecke, die Nordhausen mit Wernigerode, dem nördlichen Hauptort des Gebirges, verbindet. Nach mehr als 30jähriger Unterbrechung fährt sie seit 1991 wieder als Brockenbahn.‘Ihre kleinen kräftigen Dampflokomotiven schlep¬pen die bunten Waggons direkt bis auf den Gipfel des sagenumwobe¬nen Berges, der nun keine Grenzfestung zwischen zwei politischen Systemen mehr ist. Von hier oben bietet sich – gutes Wetter voraus¬gesetzt- ein herrlicher Fernblick weithin über Thüringen, nach Nie¬dersachsen und Sachsen-Anhalt hinein. Wo sonst kommt das Gefühl auf, in der Mitte deutscher Lande zu sein!

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