Mühlhausen 3

Rundgang
Gleich wo man einen Rundgang durch Mühlhausens Altstadt be¬ginnt – Historisches ist immer präsent. Den Untermarkt beherrscht die romanisch-gotische Blasiikirche. Sie ist Hauptpfarrkirche Mühlhausens und war 1707 Wirkensstätte Johann Sebastian Bachs. Wie fast alle Kirchen der Stadt gehörte divi Blasii seit dem 13. Jh. dem Deutschen Ritterorden; dieser ließ auch den frühgotischen Neubau errichten. Dazu holte man aus Maulbronn und Walkenried Bauleute, welche von dort die eigenwillige frühgotische For¬mensprache mitbrachten, die man am Chor vorfindet. Den Westbau beließen sie in seiner romanischen Gestalt, schufen aber darüber die achteckigen Türme bis 1270. Später wurden die mächtigen Abstüt¬zungen an ihnen notwendig. Bis zur Mitte des 14. Jh. dauerte der Bau des Hallen-Langhauses, Chor und Querhaus erhielten die deko¬rativen Giebel und die Nordfassade eine große Fensterrose. Deren Bauformen lassen nun unschwer ihre Herleitung aus der französi¬schen Kathedralgotik erkennen. Das Kircheninnere wirkt trotz der kräftigen gebündelten Pfeiler weiträumig, und in den Chorfenstern blieben die gotischen Verglasungen aus dem 14. Jh. erhalten. In gra¬zilem Kontext zu den Architekturformen tritt das feingliedrige Gitter zwischen Querschiff und Chor, welches seit 1640 den Lettner er¬setzt. Im Chor trifft man auf den Grabstein des Kristan von Samland, der Pfarrer der Blasiikirche gilt als der Bauherr des gotischen Neu¬baues und wurde 1276 Bischof von Samland. Im Südwesten der Kir¬che steht die gotische Annenkapelle (3) des Ritterordens.
An der Südseite des Untermarktes (Nr. 7) gehören der >Bürenhof< – der Hof des Eichsfelder Nommenklosters Beuren -, dreigeschossig ausgebaut im 17. Jh., und der 1219 eiwähnte Volkenröder Hof (Nr. 17, heute Kreisgericht) zu den hier im Mittelalter angelegten Gebäuden. Barock wie der »Bürenhof« sind am Platz heute auch der Deutschordenshof, die Superintendentur und die Bürgerhäuser Nrn. 13,16 und 23. Wie eine Erinnerung an Mühlhausens mittelalterliches- Stadtbild steht in der südlichen Platzumbauung die Giebclfront der sich traufseitig weit in die Seitengasse erstreckenden Fachwerkzeile.
An der Erfurter Straße weisen die Fassaden des Renaissance- und des Barockhauses (Nr. 2 und 3) einmal mehr darauf hin, daß die mit¬telalterlichen Gebäude im Laufe der Jahrhunderte immer wieder um- und neu aufgebaut wurden. Die daraus erwachsene Vielgestaltigkeit offenbaren oft erst die engen Höfe. In Mühlhausen läßt sich trotz der vielen Brände und Erneuerungen ein großer Teil der mittelalterli¬chen Grundstücks- und Hausstrukturen noch feststellen, denn es haben sich etwa 600 Keller erhalten. Sie weisen beachtliche Dirnensionen und oft Hallengestalt auf, sind zwei- und mehrschiffig, und waren teils von den Straßen her zugänglich. Daraus ist zu schließen, daß sie nicht nur als Lagerräume, sondern auch merkantilen Zwek- ken dienten. Eine romanische Kellerhalle befindet sich im Haus Felchtaer Straße 23; die größte liegt unter dem Haus Steinweg 2, sie ist 16,5 m lang und 8,35 m breit. Ihre Säulen schmücken frühgoti¬sche Kapitelle aus dem 13. Jh. Man behielt auch in nachmittelalterli¬cher Zeit diese großen Kellerausbauten bei und errichtete sogar im Barock noch solche, so z. B. unter dem Haus Nr. 23 am Untermarkt.
Zwischen der Alt- und der Neustadt entwickelte sich im frühen 13. Jh. ein innerstädtischer dichter Siedlungsbereich um das Bar¬füßerkloster. Dessen einschiffige Kirche am Kornmarkt, die >Korn- marktkirche<, wurde ab 1332 erbaut. Der für eine Klosterkirche ungewöhnlich hohe schlanke Turm entstand erst im frühen 15. Jh. über einer Kapelle. Nach der Säkulariasierung sind 1568 die Klo¬sterbauten beseitigt worden. Die dann barock ausgebaute Kirche selbst blieb bisl802 gottesdienstlich genutzt. Während der Bauerauf¬stände hatte man aus ihren Glocken Kanonenrohre gegossen. 1973 profanierte man das Gotteshaus zum Bauernkriegsmuseum um und stattete es entsprechend aus. Wenn auch in geringem Maße >ent- schärft<, bietet das heutige Museum in seiner inneren Gesamtgestalt immer noch einen der markantesten Spiegel ideologisierter Ge¬schichtsdarstellung. Mehr dafür als für die museal beanspruchte Ge¬schichtepoche ist es so zu einem historischen Belegstück geworden.
Unmittelbar an der mittelalterlichen zentralen Wasserader der Schwemmnotte steht das Rathaus, nur einen Steinwurf vom Kornmarkt entfernt. Seine verwinkelte Gesamtanlage entstand seit dem frühen 14. Jh. aus gotischen, Renaissance- und frühbarocken Baukörpern, An-, Um- und Einbauten, die im Inneren durch viele Gänge und Türen, äußerlich durch eine Überbrückung miteinander verbunden sind. In der engen Gasse kommen die hohen Renaissan¬ce-Giebel kaum zur Geltung. Von den bedeutenden geschichtsträch¬tigen Innenräumen ist als erster die Große Ratsstube zu nennen, 1525 Tagungsort des >Ewigen Rates<. Die ursprünglich den gesamten Raum umziehenden gotischen Ausmalungen sind an der Ostwand erhalten. Von 1572 stammt das Gemälde, welches das >Heilige Rö¬mische Reich Deutscher Nation in seinen Gliedern< und Kaiser Ma-ximilian II. mit Kurfürsten und reichsständischen Wappen wieder¬gibt. Im Rathaussaal mit der Spitztonne entstanden 1747 die Bilder, welche die Herrscher der vier antiken Weltreiche zeigen. Das Gemäl¬de von der Einsetzung des >Ewigen Rates< durch Thomas Müntzer schuf der Maler Wilhelm Otto Pitthan 1960. Viele Teile der Ausstat¬tung blieben hervorragend erhalten und wurden in der jüngsten Ver¬gangenheit restauriert. Im Rathaus befindet sich auch das historische Stadtarchiv, dessen Besichtigung lohnt. Zu seinen wertvollsten Stücken ist das »Mühlhäuser Rechtsbuch« zu zählen, das mit dem »Sachsenspiegel« eines der wichtigen mittelalterlichen Rechtszeug¬nisse enthält.

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