Kurze Blütezeit des Thüringer Reiches

Im Verlauf des 5. Jh. waren die Hunnen aus dem asiatischen Raum bis in unser Gebiet vorgedrungen und hatten – wie auch in anderen von ihnen durchstreiften Regionen – die dort ansässigen Stämme in ihre Abhängigkeit gebracht. Möglicherweise gab es sogar einen >In- teressenverbund< der Hunnen und Thüringer gegen die aufstreben¬den Franken und Sachsen: Gräberfunde deuten auf die Übernahme der Waffenformen und sogar solcher Eigenheiten wie der künstli¬chen Schädeldeformierung der Hunnen hin. Auf den Katalauni- schen Feldern bei Troyes in der Champagne erlitten die Hunnen und die mit ihnen ziehenden Thüringer 451 die Niederlage, welche einer¬seits der Hunnenherrschaft ein Ende setzte, andererseits die Blüte¬zeit des Thüringer Reiches einleitete.
Auf eine bereits frühe dynastische Verflechtung des Thüringer Stammes verweist die Vermählung der Tochter des ersten bekannten Königs, Bisinus, mit dem König der Langobarden, Wacho. Ebenso aufschlußreich für die Stellung des Reiches ist die Verbindung der Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich, Amalaberga, mit dem Sohn des Bisinus, Herminafried, um 510. Zweifellos war damit aber auch der Höhepunkt des Thüringer Reiches überschritten, das nun Fran¬ken und Sachsen bedrängten. 531 kam es zum Treffen bei einem Ort namens Runnibergun. Soll man diesen mit Weißensee und seiner später Bedeutung erlangenden Runneburg identifizieren oder mit den inzwischen archäolgisch interessanten Ronnebergen über der Unstrut zwischen Roßleben und Nebra? Bei einer weiteren Schlacht an er Unstrut, die man wenig südostwärts bei Burgscheidungen ver¬mutet, erlitt der Thüringer König Herminafried 531 die entscheiden¬de Niederlage, die zum Ende des Thüringer Reiches führte. Das Land geriet in fränkische Abhängigkeit. Von Norden rückten die Sachsen bis ins Unstrut-Tal, von Osten Slawen bis zur Saaleplatte vor. Bis ins 8. Jh. wechselten nun immer wieder regionale Machtver¬hältnisse zwischen sächsischen Aufständischen und fränkischen Einzelherrschern, die sich gar – wie im 7. Jh. der fränkische Herzog Radulf – als Thüringer Könige verstanden. Aus dem Thüringischen wanderten Siedlergruppen nach Pannonien aus, andernteils ließen sich nun fränkische Gruppen aus dem Schwäbischen hier nieder.
Ausgrabungen in Oberdorla bei Mühlhausen und in Dienstedt bei Arnstadt brachten Siedlungen aus dem vorfränkischen Geschichts¬abschnitt zutage, die uns nicht nur Auskünfte über Haus- und Bau¬formen, sondern auch über die Struktur jener frühen Gesellschaft vermitteln. So unterscheiden sich die herrschaftlichen Bauten in Umfang und Vielgestaltigkeit deutlich von den einfachen Handwer¬kerunterkünften. Beachtlich sind ebenfalls bäuerliche Anwesen, die in ihren Ausmaßen auf reiche Viehhaltung hindeuten und auch Spei¬cherbauten cinschließen.
Während die thüringischen Siedlungen im Boden unter den heuti¬gen Städten wie Arnstadt und Weimar zu suchen sind, legten die Franken vorwiegend militärische Stützpunkte an, als welche wohl die befestigten Vorgängerbauten der Sachsenburg, der Hasenburg oder auch der Anlage auf dem Erfurter Petersberg zu verstehen sind.
Im 7. Jh. prägte sich die Grenzlinie zwischen den fränkischen und slawisch besiedelten Gebieten aus. Erste fränkische Aufzeichnungen sprechen von Sorben, was zunächst soviel wie Bundesgenossen be¬deutet haben dürfte. Dieser weitgehend friedlichen Besiedelung des Raumes, den die Thüringer gen Südosten verlassen hatten, folgten nach fränkischen Niederlagen und dem Anschluß der sorbischen Fürstentümer an das westslawische Großreich Samos 631 über meh¬rere Jahrhunderte immer wieder neue slawische Siedlungsschübe. Die Slawen vermischten sich zunächst mit der noch vorhandenen thüringischen Restbevölkerung, später mit Franken und Siedlern aus anderen Gebieten und drangen so bis zur Barriere des Thüringer Waldes vor. Diese Ausbreitung ging weitgehend friedlich vonstatten, denn der Handel bildete neben dem Ackerbau eine bedeutende Er¬werbsquelle der Slawen. Oft wechselten sie jedoch ihre Bundesgeno- sen und blieben bis zum 10. Jh. häufig in regionale dynastische Kämpfe verstrickt.

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