Jena

Die 17bogige Autobahnbrücke, 1938-41 aus hellen Muschelkalk- quadern errichtet, teilt unmittelbar bei Lobeda das breite Saale-Tal in ein südliches, offenes, mit der Leuchtenburg im Blick, und in ein nördliches, seit 1968 durch neue, hohe Wohnbauten verschlossenes.
Im Angesicht dieser städtischen Großsiedlung scheint die Lobde- burg auf den Berghängen fast ganz zu verschwinden. Als Hauptsitz der Stadtherren von Jena war sie von umfangreichen Befestigungsan¬lagen oberhalb und unterhalb des Burgkerns umgeben. Die Macht des verzweigten Herrengeschlechtes dehnte sich weit nach Ostthü¬ringen und ins Elsterland aus. Damit nahm die Burg eine zentrale Stelle ein, mit dem Blick südwärts weit ins Saale-Tal, ostwärts durch das Koda-Tal Richtung Stadtroda, wo die Lobdeburger Herren im 13. Jh. als Klostergründer wirkten. Nordwärts liegt Jena fast zu Fü¬ßen. Von der unteren und der oberen Lobdeburg blieben die recht stattlichen Ruinen des Wohnturms und der Kapelle der oberen Burg. Teile ihrer Ringmauern mit dem Tor umgeben diesen klotzartigen Rest des schon um die Mitte des 14. Jh. verlassenen Herrensitzes.
Die ganze Geschichte dieser Stadt aufzuschreiben würde großen Raum beanspruchen. Zusammen mit der Erfurter ist sie sicher die er¬eignisreichste in Thüringen, ein paar Jahrhunderte kürzer zwar als diese, in vielem aber vergleichbar. Wie Erfurt zog Jena immer streit¬bare Geister und helle Köpfe an, und ebenso wie dort führte das auch hier zu wirtschaftlicher Prosperität und politischer Kontrover¬se. Wie in Erfurt gab es kriegerische Entwicklungseinbrüche, doch intensiver als dort faßte Mitte des 19. Jh. die Industrie in Jena Fuß.
Wo heute die hohen Schlote der Jenaer Stadtwerke den Blick auf sich ziehen, vernebelten beinahe ein Jahrhundert lang Fabrikaus¬dünstungen das Saale Tal. Fast alles veränderte sich seit 1990: Die »lieben Jenaer Berge mit ihren weißen Kalkfelsen und blumigen Ab¬hängen«, von denen der aus Potsdam zugereiste Ernst Haeckel so zu schwärmen wußte, sind dunstfrei, sieht man von Morgen- und Abcndnebeln ab. Die Lobedaer >Platten< erhielten ein bunteres und freundlicheres Aussehen, helle gläserne und glatte Hallenkuben er¬setzen die alten düsteren Werksanlagen. Die Saaleaue ist grün und die neue Straßenlandschaft auf der östlichen Saalescite durchlässig bis mitten in die Stadt. Genau wie hier hat sich auch von Norden her der städtische Erneuerungsvorgang Bahn gebrochen. Dort schoben sich Kasernen- und Industriegelände ineinander – beides ist nicht mehr gefragt. Die Kasernenflächen mutieren zu durchgrünten Wohngebieten, und an die Stelle industrieller tritt neue gewerbliche Nutzung des vorstädtischen Raums.
In Jenas Talkessel scheint sich der Verkehr aus allen Himmels¬richtungen zu verwirbeln, fließt in die Altstadt und drängt diese gleichsam himmelwärts. Wie sich dieses Vertikalstrcben schon vor 500 Jahren in dem steilen Michaelskirchturm anzeigte, folgten ihm 1910 der astronomische Kuppelbau der Zeisss-Werke sowie 1915 und 1936 die Zeiss-Hochhäuser, übersteigerte es gar 1972 der gewal- tige Zylinder des Hochhausbaues für die Universität. Jena krempelt sich heute nachgerade selbst um. Das Firmenlogo hoch oben am in¬zwischen spiegelverglasten >Turris Jenensis< deutet nicht etwa auf je- ncs zweifelhafte >Devisenhandelsunternehmen< des verflossenen ostdeutschen Staates hin, nein, >intershop< steht für wagemutige jun¬ge Medienunternehmungen. Rasant verliefen in Jena die Verände- rungen: Zwischen die Zeiss-Architekturen rückte ein völlig neues Kommunikations- und Handelszentrum, das gleichsam durch den universitären Campus in die Goethe-Galerie fließt und vorbei am Abbe-Denkmal in Jenas traditionelle Orte des Volkshauses und des Optischen Museums einmündet.

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