Jena 2

»Neue Mitte« steht hoch oben an dem etwas einfallslos voluminö¬sen Glaskasten, der zu Füßen des Hochhauszylinders den im Krieg und danach zerstörten Teil des Stadtkerns einnimmt. Den Marktplatz umsäumen wieder komplette Häuserfronten, wenn auch im Neuen architektonisch etwas eigenwillig, die alten Häuser der >Göhre< mit dem Stadtmuseum und des Gasthofs >Zur Sonne< sind restauriert.
Seit 1990 erfuhr mit der Privatisierung des ehemaligen >Kombi- nats< der Zeiss-Werke die gesamte Industrieregion um Jena tiefgrei¬fende Veränderungen. Die Umformung eines solchen Wirtschaftsrie¬sen in etwa 300 kleinere und größere Unternehmen berührt auch das kulturelle Umfeld mit historischen Sammlungen und Museen. Diese gerade verdanken der Zeiss-Stiftung in Jena ihr Dasein. Und das in¬novative Erbe von Zeiss-Jena? Darum zeigt sich die umfänglichste Neugründung >Jenoptik< besonders bemüht. Ein Mann aus dem Süd¬deutschen, der ehemalige Baden-Württembergische Ministerpräsi¬dent Lothar Späth, unterzog sich selbst – vor allem aber die Jenenser – dieser gigantischen industriellen und zugleich kulturellen Erneuer-ungsaufgabe. Flugs fand die flotte studentische Zunge für das erste bauliche Zeugnis den verbalen Vergleich: Das neue Handels- und Kommunikationszentrum zwischen dem Teichgraben und der Carl- Zeiss-Straße – oder anders zwischen Collegium Jenense und Abbe- Denkmal heißt inoffiziell >Empire-Späth-Building<. Im Spötteln schwingt durchaus die Anerkennung und der Blick auf Nordameri¬kas einst höchstes und Maßstab setzendes Gebäude mit! Jenas bau¬liche Mitte jedenfalls erhielt einen neuen und angemessenen Ma߬stab für die Stadt, die bei allem Firmen-Weltruhm stets die Kirche im Dorf gelassen hat – St. Michael am Markt steht dafür!
Als die Herren von Lobdeburg im 13. Jh. ihr Herrschaftsgebiet zu sichern trachteten, bedeutete dies den Beginn von Jenas Geschichte. Die Saale-Furt im Blickfeld ihrer Stammburg zeigte sich als gewinn¬trächtiger Platz. Hier nahm eine kleine, auf dem westlichen Flußufer gelegene Weinbauernsiedlung den aus Richtung Erfurt kommenden Handelsweg auf, der im Zuge der heutigen Johannis- und Saalstraße zu einem Markt verlief. Daneben war der romanische Vorgängerbau der Johanniskirche entstanden. 1230 wurde die Siedlung zur Stadt erhoben. Das nun ausgebaute Stadtgeviert markieren noch heute drei der ursprünglichen Eckbastionen: Am besten erhalten blieb der Pulverturm beim Johannisplatz, wenngleich nur sein oberer Teil in Erscheinung tritt. Von der Stadt kommend erkennt man, daß die hohe Bodenaufschüttung das Bauwerk >verschluckte< – hier blieb es ein Stück weiter frei als an der Feldseite. Die Anatomieturm-Ruine an der Südwestecke der Stadt erhielt den Namen mit dem heute nicht mehr vorhandenen Aufbau für den Anatomie-Hörsaal der Uni¬versität. Auch dem Roten Turm gab ein Aufbau aus Ziegeln seinen Namen. Vom Schloßturm am Universitätsgebäude blieben nur noch die Grundmauern. Den so markierten historischen Stadtkern hatten die Bomben des Zweiten Weltkrieges zu etwa einem Drittel zerstört, und dieser harrt seither seiner architektonischen Reanimation.

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