Heiligenstadt

Heiligenstadt, heute ein Kneipp-Kurort, ist seit dem frühen Mittelal¬ter kultureller Mittelpunkt des Eichsfeldes. Es bietet ein Bild seltener Geschlossenheit, aus dem die Geschichte wieder einmal wie in einem Bilderbuch abzulesen ist: Den mittelalterlichen Geschichtsab¬schnitt kennzeichnen die St. Martinskirche und der romanische Straßenzug des Knickhagen am westwärts sich erhebenden Berg, die weit sanfter nach Osten ansteigende Altstadt um die Marienkirche und die südlich in ganzer Länge anschließende Neustadt um St. Ägidien. Zwischen Alt- und Neustadt verläuft wie ein Trennstrich der alte Neumarkt, welcher seinen Ausgang vom Martinsberg nimmt. Den zweiten Geschichtsabschnitt beschreiben zahlreiche Bauwerke, die nach dem Stadtbrand von 1739 entstanden und barockes Fluidum in die mittelalterliche Stadt trugen. Den dritten historischen Abschnitt markiert der Gürtel von Siedlungshäusern und großflächigen neuen Wohnvierteln, welcher die ins Leine-Tal gebettete Stadt umschließt und sich die Talhänge hinaufzuziehen beginnt.
In Heiligenstadt wurde um 1460 Tilman Riemenschneider gebo¬ren. An der Klausmühle am Klaussteg finden wir den Hinweis auf sein Vaterhaus, im Heimatmuseum eine Reihe von guten Kopien sei¬ner Bildwerke, welche das Mainfränkische Museum Würzburg hier¬her auslieh. Heinrich Heine ließ sich 1825, kurz nachdem er in Göttingen die Doktorwürde der Jurisprudenz erhalten hatte, in St. Martin taufen. Der Husumer Theodor Storm trat 1856 (bis 1864) in der Stadt das Amt des Kreisrichters an und vermochte sich selbst in seinen späteren Dichtungen nicht von ihr zu trennen. Trefflich wie sonst nirgends finden wir in einer einzigen Gedichtzeile Storms die Situation Heiligenstadts um die Mitte des 19. Jh. und in den damit einhergehenden großen Umbrüchen beschrieben: »In grünen Schat¬ten lag der Ort«.
Es gibt zwei Deutungen zum Namen Heiligenstadt: Die eine sieht den Ursprung in dem altdeutschen Wort heldinge für >Schräge< und leitet daraus den Stadtnamen unmittelbar ab – die ältesten Viertel um St. Martin und Knickhagen liegen am Hang. Die andere nimmt Bezug auf die Reliquienstätte des hl. Sergius und die gleichfalls schon im 9. Jh. mit dem Ort in Verbindung gebrachten frühmittelal¬terlich mainzischen Patronatsheiligen Bacchus, Aureus und Justi- nus, also eine Stadt der Heiligen.
Ein fränkisches Lager wird auf dem Martinsberg vermutet, Vorläu¬fer möglicherweise des um 960 gegründeten Kollegiatsstiftes St. Mar¬tin. Die Kaiser Otto II. und Otto III. hielten sich 973 und 990 hier auf – weswegen fast notwendigerweise eine Königsburg bestanden haben muß. Eine solche würde auch dem Ort entsprechen, der be¬reits seit dem 6. Jh. für die Kolonisation des Raumes zwischen Harz und Thüringer Wald von Bedeutung war. Auf der Elisabethhöhe süd¬westlich der Stadt existierte im 8. Jh. eine Wallburg. Ein »heiliger Ort«, der in deren Nähe verzeichnet ist, dürfte also mit dem Martins- berg identisch sein. Ungeklärt bleibt allerdings, ob er Fluchtburg der mainzischen Erzbischöfe war oder die Keimzelle der Stadt, wo 993 Bernward von Hildesheim durch den Mainzer Erzbischof Willigis zum Bischof geweiht und wenig später von Burchard von Worms in das hohe Amt eingeführt wurde. Um 960 wurde die Martinskirche zu einem Chorherrenstift erhoben, und wenig später ist zumindest mit einer ersten Siedlung zu rechnen; man vermutet sie im Knickhagen. 1227 erhielt Heiligenstadt vom Kurfürsten und Erzbischof von Mainz das Stadtrecht, und 1240 war bereits die bis zu 6 m hohe Mauer um Alt- und Neustadt fertiggestellt. Im 14. Jh. entstanden die gotischen Kirchenbauten.

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