Ein Schmelztiegel großer Geister

Man muß weit in die Geschichte zurückblicken, sucht man nach den Grundlagen für die gerade im Thüringischen so reich entfaltete hu¬manistische Geisteshaltung und die so auffällige musische Vielfalt. Beginnt alles mit des Landgrafen Ludwigs Urenkel Hermann I., als dieser Ende des 12. Jh. auf der Wartburg einen >Musentempel< initi¬ierte, für den ihn Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschen¬bach und Jahrhunderte später Richard Wagner priesen? Oder muß man beim sozialen Engagement der aus ungarischem Königshaus stammenden Gemahlin des Hermann-Sohnes Ludwig IV., der bald nach ihrem frühen Tod heiliggesprochenen Elisabeth ansetzen? Die Erfurter Scholaren des Dominikanerklosters und der Augustiner- Eremiten lauschten 1294-98 Eckhart von Hochheim, dem Meister der deutschen Mystik, Hermann von Schildesche, Heinrich von Friemar und anderen Predigern; 1379 bezeugt die von Papst Cle¬mens VII. gezeichnete Urkunde das Zusammenlegen der geistlichen, grammatischen, astronomischen und medizinischen Lchreinrich- tungen zur ersten städtischen Universität in Erfurt, welche auch eine theologische Fakultät einschloß. Hier trug sich im April 1501 der junge Martin Luther aus Mansfeld in die Matrikel ein, 1507 erhielt er im Erfurter Dom die Priesterweihe.
Unübersehbar im humanistisch-politischen Spektrum bleibt das Wirken des gothaischen Herzogs Ernst 1. des Frommen für den Auf¬bau der in den Kriegswirren 1630 nahezu vernichteten Stadt und des Staates Gotha. Nicht nur seine städtebaulichen Leistungen, sondern vor allem auch seine von Weitsicht geprägten Reformen in der Ver¬waltung, im Rechts- und Finanzwesen und im Bildungssystem, dar¬unter die Einführung der Volksschulpflicht, rücken Ernst I. in hi¬storischer Sicht in die Reihe großer Staatsmänner und Gründer. Als absolutistischer Fürst und strenger lutherischer Christ wirkte er durch seine Aufgeschlossenheit weit in die Zeiten seiner liberali- stisch eingestellten Nachfolger. Lucas Cranach und Johann Sebasti¬an Bach hatten in Weimar bereits ihre Zeichen gesetzt, ehe sich hier seit den 70er Jahren des 18. Jh. die geistige Kraft einer entstehenden Nation konzentrierte – im Land der Kleinstaaterei und zu einem Zeitpunkt, da der Weimarer Herrensitz, die Wilhelmsburg, in Trüm¬mer gesunken und die Stadt mit ihren etwa 6000 Einwohnern fast noch ein Dorf war. 1775 kam der junge Johann Wolfgang von Goe¬the nach Weimar, das nun zu einem >Hellas< deutscher Klassik auf¬steigen sollte. Für ein halbes Jahrhundert erstrahlte der literarische Glanz, der bis heute nicht erloschen ist. Kaum besser als in Ernst Rietschels Denkmal für Goethe und Schiller auf dem Platz vor dem Weimarer Nationaltheater könnte dieser Anspruch, aber auch der Rang dieser Stadt, könnten Geistesgrößen und Menschlichkeit der beiden so unterschiedlichen und doch geistesverwandten Dichter und Gelehrten verlebendigt werden. Eng geknüpft bleibt auch der Faden zu Jena, dessen Universität Schillers Namen trägt und – seit der >Verlegenheitsgründung< durch den Kurfürsten Johann Friedrich den Großmütigen als Ersatz für die ihm verlorengegangene Witten¬berger Universität – von 1557 an ein Ort streitbarer Geister wurde.
Es war bereits von den Anregungen die Rede, welche Thüringen in seiner Geschichte immer wieder aufnahm und in eindrucksvoller Weise aufarbeitete und weitervermittelte. Die befruchtende Funktion Weimars setzte sich auch im 20. Jh. fort. 1919 kam der Berliner Ar¬chitekt Walter Gropius nach Weimar. Er schloß die Großherzogliche Hochschule für Bildende Kunst mit der Großherzoglichen Sächsi¬schen Kunstgewerbeschule zusammen und gründete damit das Bau¬haus. Auf diese Weise erwuchs aus der bestehenden Tradition ein neues geistiges Zentrum. Mit der Gestaltung ihres Lebensraumes brachten die Bauhäusler avantgardistische Ideen und Formen ein, deren Wirkung auf die internationale Kunst und Kultur des 20. Jh. revolutionär zu nennen ist. In Weimar indes war an ein weiteres Aus¬reifen oder gar eine konsequente Umsetzung dieses neuen Formwil¬lens nicht zu denken, da die Nationalsozialisten schon in den 20er Jahren das Bauhaus aus Weimar verdrängten. Nicht eindämmen aber ließ sich das weltweite Echo auf den von Weimar ausgehenden Im¬puls. Das Gestalten von Gegenständen des täglichen Gebrauchs war zu einer Herausforderung für Künstler und Designer geworden.

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