Die wartburg 2

Schwerer schon zu trennen sind Wirklichkeit und idealisierende Fabel um die Landgräfin Elisabeth, Tochter des ungarischen Königs Andreas II. 1211 kam sie als Kind auf die Wartburg, und hier wurde sie 1221 mit Ludwig IV., dem Sohn Hermanns I., vermählt – die Fres¬ken der Wartburg beschreiben die Hochzeit bildhaft. Die Wartburg zeigte sich damit nicht nur als Zentrum höfisch-ritterlicher Kultur, die Thüringer Landgrafen knüpften von hier aus auch machtpoliti¬sche Fäden zu den bedeutenden Herrscherhäusern des frühen 13. Jh. Erst 15jährig, gebar Elisabeth dem Landgrafen eine Tochter; danach wendete sich sich in religiösem Eifer vom glanzvollen Hofleben ab und widmete ihr tägliches Leben ganz den Elenden und Entrechte¬ten. In der kreativen, höfisch-kulturbewußten Atmosphäre mutet dieses Engagement der von den Sängern Bewunderten überraschend an, und gewiß dürfte die Landgräfin eine der eigenwilligsten histori¬schen Gestalten ihrer Zeit gewesen sein. Doch begannen ja eben in dieser Zeit die Unterschiede zwischen der Hofhaltung einerseits, dem sozialen Elend andererseits markant hervorzutreten. Elisabeth wurde zur Symbolgestalt karitativ-kirchlichen Strebens im 13. Jh. Der Landgraf selbst dürfte ihr und ihrer Frömmigkeit bei allem Rit¬tergeist ergeben gewesen sein. Als einziger Reichsfürst begleitete er den Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. und kam dabei ums Leben. Wie wesensfremd im Grunde Elisabeths mildtätiges Engagement dem landgräflichen Hof blieb, offenbart ihre alsbaldige Vertreibung von der Wartburg nach Marburg, wo sie 1231 verstarb. Im Zusammen¬hang mit dem kirchlichen Aufruf gegen die weltlich-sinnenfrohe Of¬fenheit ritterlichen Hoflebens ist sie nur vier Jahre danach heiligge¬sprochen worden. Das Bündnis zwischen Kaiser und Kirche trat in der Anwesenheit Friedrichs II. bei Elisabeths Grablegung zutage.
In der ersten Blütezeit der Wartburg zwischen 1131 – der Erhe¬bung der Ludowinger zu den rechtlichen Vertretern des Königs in Thüringen – und dem Tod Heinrich Raspes als letztem aus dem land-gräflichen Geschlecht 1247 entstanden die steinernen Neubauten auf dem Berg. Der um 1170 begonnene Bau des Palas könnte bereits als Austragungsort für den sagenhaften Sängerkrieg 1206/07 gedient haben. Allein von seinem Umfang her zeigt das dreigeschossige Ge¬bäude für die romanische Epoche nahezu kaiserlichen Charakter und es steht den Saalbauten der großen staufischen Pfalzen in nichts nach, ja der dekorative Reichtum unterstreicht noch solchen An¬spruch. Seine Schöpfer waren Bauleute und Steinmetzen, die ihre Erfahrungen und ihr Können bei großen romanischen Bauvorhaben im Rhein-Maas-Gebiet erworben hatten. Ihre Kenntnisse vermittel¬ten sie weiter an die thüringischen Bauhütten. Auch die Naumburger Bau- und Bildhauertradition ging aus dieser französisch-rheinlän¬disch geprägten Schule hervor. Einzelne höfische Ausstattungsge¬genstände der Wartburg entstammen dem französischen Kunstraum. Man kann sie in den Dauerausstellungen bewundern. Zum künstle¬rischen Umfeld der Burg gehörte wohl das ganze landgräfliche Ge¬biet. So findet man im heutigen >Hessenhof< in Schmalkalden, dem einstigen Sitz des landgräflichen Vogtes, szenische Wandmalereien von 1227 zum »Iwein«-Epos Hartmanns von der Aue, die auf der Wartburg wiederholt wurden.

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