Das Grabfeld

Von Heldburg nach Bauerbach
Sucht man nach dem Ursprung des geographischen Begriffs >Grab- feld<, so wird deutlich, daß es sich eigentlich um einen biologisch-to¬pographischen Landschaftsnamen handelt. Carpinus betulus, die wissenschaftliche Bezeichnung der Weißbuche, soll die Quelle des Namens sein: ein Landstrich einst ausgedehnter Wälder also, Bau-ernland im Windschatten von Rhön und Thüringer Wald, zu weit im Süden Thüringens, zu weit im Norden Frankens, um eine zentrale Stellung einzunehmen, zu lange – fast ein halbes Jahrhundert! – ab¬geschottetes innerdeutsches Grenzland, um überhaupt bekannt zu sein. Vielleicht deshalb erhielt sich hier so viel Reizvolles. Dörfer blieben Dörfer, kleine Städtchen lebten ohne allzuviele Neuerungen.

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Beginnen wir die Reise wenige Kilometer westlich von Coburg in Thüringens kleinster Stadt, in Ummerstadt. Ein halbes Tausend See¬len leben heute in der mittelalterlich begründeten Marktsiedlung. Die 1990 restaurierte barocke Stadtkirche läßt ahnen, daß der Stadt durchaus einmal Bedeutung zukam, nicht nur im Mittelalter, von dem romanische Reste am Chor der Kirche zeugen. Das Rathaus und eine Reihe ebenso in Fachwerk errichteter Bürgerhäuser gehen auf die Renaissance- und Barockzeit zurück. Heldburg – heute Bad Col- berg-Heldburg – wird schon 837 als fuldischer Ort genannt. Es geriet seit dem Mittelalter in hennebergischcn, dann Nürnberger und schließlich wettinischen Besitz. Die Nürnberger Burggrafen unter¬strichen ihren Einfluß mit der >Fränkischen Leuchte< hoch oben auf dem 403 m emporragenden Bergkegel. Jene Burg sollte in wettini- scher Zeit zwischen 1558 und 1563 durch Nikolaus Gromann – der in Weimar, Gera und Altenburg ebenso wirkte – zur Veste erweitert und umgestaltet werden. Ernst der Fromme von Gotha ließ die Schloßkirche ausbauen. Noch burgartig in der Anlage zeigt sich der südwestliche Flügel mit der Zufahrt, welchen der im 19. Jh. bekrön¬te >Hexenturm< überragt. Daran schließt nach Nordwesten hin der sogenannte Kommandantenbau an. Der nördliche Flügel birgt mit¬telalterliche Teile und die inzwischen verfallene Schloßkirche. Gro- manns Werk ist vor allem der französische Bau< an der Südostsei¬te des Burghofs. Seine Hoffront wurde im Sinne eines Palastes ge¬staltet, wobei den beiden prächtig verzierten Erkervorbauten ein besonderes Gewicht zukommt. Französische und italienische Re-naissance-Musterbücher dürften die Vorlagen für den fast üppigen plastischen Dekor geliefert haben. Ihn haben zwar die Restaurato¬ren im 19. Jh. in einigen Details verändert, doch wird die im Gang befindliche Restaurierung die Schäden des Brandes von 1982 be-seitigen – das Architekturbild des Hofs ist bereits zurückgewonnen. Die Renaissance-Ausstattung im Französischen Bau dürfte hinge¬gen verloren sein. Am Fuße der Veste umgibt die mittelalterliche Wehr die kleine Fachwerkstadt mit reizvollen Bauten.
Nordwestwärts rücken die beiden Gleichberge als landschaftsprä¬gende Erhebungen ins Blickfeld. Ehe man zu den dort noch vorhan¬denen frühgeschichtlichen Zeugnissen gelangt, bieten sich in den Dörfern eine Fülle schöner alter Fachwerkbauten und interessante kleine Kirchen dar. Zwei Wege führen nach Römhild und zu den Gleichbergen. Der östliche verläuft über Bedheim, wo sich eine Schloßanlage des ausgehenden 16. Jh. erhalten hat. Über ihre zwei¬geschossigen Flügel ragt die Haube des runden Treppenturms empor; im Barock wurde besonders der nördliche Bauteil durch Giebel und Portale hervorgehoben. Noch bemerkenswerter ist die Dorfkirche: Der barocke Saal entstand seit 1696 an dem Chorturm der älteren Kirche aus der Zeit um 1290; Ausmalungen aus jener gotischen Epo¬che sind noch in dem gewölbten Chor zu sehen. Den Gemeinde¬raum beherrschen die zweigeschossigen Emporen und der hohe Patronatsstuhl. Die Emporenbrüstungen schmücken Darstellungen biblischer Szenen, der Patronatsstuhl und die Felderdecke tragen ebenso reiche Bemalungen, die zum Teil als Marmorierungen ange¬legt sind. Aus der Erbauungszeit stammt auch die reich geschnitzte und bemalte Kanzel mit Schalldeckel. Darüber am Chorbogen das Orgelpositiv von 1711: eine Einmaligkeit, denn das Hauptwerk ist an der Westwand angebracht, die 16 m lange, auf den Dachboden ver¬legte mechanische Traktur verbindet beide Orgelteile miteinander.
Fachwerk prägte einst das ganze Grabfeld. Es ist auch noch in vie¬len Orten anzutreffen, wenngleich die Wünsche und Vorstellungen der heutigen Bewohner sich immer deutlicher in der veränderten Durchfensterung und in zahlreichen An-, Um- und Ausbauten mar¬kieren. An der >Westroute< nach Römhild liegen die Dörfer Linden, Eicha, Gleichamberg sowie Milz, die wohl zu den besterhaltenen hi¬storischen Fachwerkorten zählen. In Giebelstellung präsentieren sich hier die Wohnbauten der alten Fachwerkhöfe am Dorfanger und an der Dorfstraße, fränkischer und hessischer Einschlag kennzeich¬net Konstruktion und Gestalt der Häuser. Besonders in Linden ist die einstige Dorfstruktur mit Teich und Backhaus sowie der Kirche im Blickpunkt noch immer deutlich ausgeprägt. Wie hier wurde auch in Gleichamberg die spätgotische Kirche während der Barock¬zeit ausgestaltet. Ihre Emporen sind mit biblischen Szenen ge¬schmückt und reich bemalt. Der Chorturm des spätmittelalterlichen Kirchenbaus überragt den Ort. Spätgotisch ist auch die von einer Wehrmauer umgebene Kirche zu Milz, wo man wiederum auf eine Reihe schöner Fachwerkbauten trifft. Wohl schon im 8. Jh. gab es hier ein Kloster, von dem urkundlich im Jahr 800 die Belehnung mit einen Ort Rotemulte – vielleicht Römhild – erwähnt ist.
Wenngleich sich in Römhild neben der Landwirtschaft Industrie ansiedelte, bewahrt die Stadt doch ihr traditionelles volkskünstleri¬sches Handwerk der Töpferei. Der Töpferhof bildet den Ausgangs¬punkt für das Volksfest des Töpfermarktes in der Stadt – ganz ähn¬lich dem sächsischen Kohren-Sahlis.

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