Das frühe Mittelalter

Ähnlich stützt sich der frühmittelalterliche Geschichtsabschnitt Thüringens weniger auf sichere Funde denn auf Nachrichten: Als Karl Marteil 741 sein Reich teilte, fiel das thüringische Gebiet seinem Sohn Karlmann zu und wurde nun zum Aufmarschgebiet ge¬gen die Sachsen. Mit Karlmann, Pippin und deren Verbündeten, den Friesen, gelangten christliche Ideen in das Land. Einer der ersten Missionare war Willibrord; vor allem aber erlangte der Angelsachse Bonifatius Bedeutung, der unter dem unmittelbaren Schutz des ka¬rolingischen Herrschers und des Papstes Gregor II. stand. Ein Jahr¬zehnt – und bei aller historischen Kürze eines solchen Zeitraumes war es ein für Thüringen entscheidendes – prägte die Mission des Bi¬schofs Bonifatius. Die Gründung des Bischofssitzes in Erfurt im Jah¬re 742 weist auf die bereits beträchtliche Bedeutung des Ortes hin; immerhin befand sich ja hier mit der Burg auf dem Petersberg der fränkische Stützpunkt. Zwischen dem päpstlichen Auftrag zur Bis¬tumsgründung und seiner Ausführung lagen nur 17 Jahre. Bonifatius’ Erfurter Bischofssitz bestand nur sechs Jahre, denn 747 erhielt er Mainz als Erzbischofssitz. Damit gelangte die Diözese Erfurt zum Bistum Mainz, und beide Städte verband nun auf etwa ein Jahrtau¬send eine gemeinsame Geschichte.
Weit handfester als Nachrichten und Urkunden ist der dem heili¬gen Bonifatius zugeordnete Erfurter Bischofsstab. Vor allem aber die mittelalterliche Kolonisierungs- und Siedlungspolitik wird noch heute in den zahlreichen Ortsnamen deutlich, welche auf -heim oder -hausen enden. Ebenso entstanden die festumrissenen Herrschafts-gebiete mit Siedlungsseriennamen, die -sommern oder -worbis bein¬halten. Aber auch an der Unstrut-Saale-Linie zeichnet sich für die karolingische Zeit ein ganzes System von partikularen Herrschafts¬gebieten ab, markiert durch wehrhafte Burgenbauten. Im west- und südwestthüringischen Raum bestanden bereits so weit ausgeprägte Herrschaftsräume, daß hier die Verfassung der karolingischen Graf¬schaft nicht nur regionale, sondern auch dynastische Ansprüche fun- damentierte. Jener Gundhar, den Papst Gregor II. um Unterstützung für Bonifatius’ Auftrag bat, ist wohl einer der ersten aus der langen Reihe der Schwarzburger Grafen mit Namen Günther gewesen.
Mit dem Vorrücken der Franken gelangte mehr und mehr Land in den Besitz der Klöster, die Kolonisationszentren darstellten: Hers- feld dehnte seinen reichsklösterlichen Machtbereich auf Gebiete an der Unstrut bis hin zur mittleren Saale um Merseburg aus, Fulda er¬hielt die wichtigsten Salzquellen und Königshöfe im Werra-Gebiet; in Ohrdruf erfolgte die Klostergründung 724, in Rohr 814. Damit wa¬ren gleichfalls für fast ein Jahrtausend Grenzmarkierungen gesetzt. Bis ins Mittelalter flammten immer häufiger Auseinandersetzungen mit den slawischen Stämmen auf. Slawenaufstände und wechselnde Bündnisse kennzeichnen nun Begriffe wie Grenzmark für den Raum östlich der Saale und Limes Sorabicus als Grenzlinie des sorbischen Siedlungsraumes. Dieses beidseitig von strategischen Stützpunkten durchsetzte, bis ins Pleißenland reichende Gebiet ist wohl als mis¬sionarisch-kolonisatorisches Streitfeld zwischen Franken und Sla¬wen einzuschätzen.

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